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Trommelbau und Trommelspiel
als kulturelle Betätigung

Rhythmus und Harmonie sind nicht nur die Grundelemente der Musik, sondern auch die eines sozialen Umgangs der Menschen miteinander. Die archetypische Form der Musik ist stark an die naturgegebene Rhythmik des Lebens angelehnt. (Wir erinnern uns an Mond- und Sonnenzyklen, aber auch den Herzschlag und Atemfluß im Körper selbst). Eine Umsetzung dieser innenwohnenden und zumeist verborgenen Zyklen und Pulse auf entsprechende Instrumente steigert das Bewußtsein um die Zusammenhänge von Ich und Wir, von Innenleben und externer Ausdrucksfähigkeit.

Trommeln sind daher Träger einer unverfälschten Dynamik, die interkulturelle und soziale Verbindungselemente erwecken und weiterentwickeln. Das unmittelbare Feedback durch den von den Händen erzeugten Klang spricht eine universelle Sprache, die von Jung und Alt aufgegriffen und begriffen wird. Gerade durch unterschiedliche Rhythmiken entstehen neue Verbindungen , entsteht ein Netzwerk von Mitspielen und Zuhören, das nicht nur auf das Musikalische beschränkt ist: durch eine Beschäftigung mit den zugrundeliegenden Regelmäßigkeiten entsteht musikalisches Denken, das Harmonie in allen ihren Bereichen begreifen kann. Diese Entwicklung strömt dann in psychologische und soziale Verhaltensweisen ein, erleichtert den individuellen Ausdruck der Lebenskraft in der Welt und unterstützt die Verwirklichung innerer Fähigkeiten zum Wohl einer stabilen Gemeinschaft. Somit werden innovative Möglichkeiten geschaffen.

Ein tieferes Verständnis von Percussion, Harmonie und Rhythmik wird unterstützt durch die Herstellung eigener Instrumente, vorzugsweise von Handtrommeln, die ohne Schlaghölzer gespielt werden; das taktile Empfinden über die Hände ist eine Lernerfahrung ohne Worte, die viel tiefer dringt als rationales Einprägen. Die aktive Beteiligung der Jugendlichen erfährt einen Höhepunkt im schöpferischen Umgang mit originären Materialien wie Pappe, Holz, Stoff und Leder; handwerkliche Elemente kommen ins Spiel und ergänzen musikalischen Sinn mit praktischem Denken und Tun.

Die Trommelkörper werden aus vorgefertigten Pappröhren mit zentimeterdicker Wandung erstellt, die den Klang ebensogut tragen können wie teures und zumeist schwer zu beschaffendes Tropenholz. Die Schlagfläche besteht nicht aus dem üblichen Ziegen- oder Kuhfell (wovor sich auch so mancher Jugendlicher - vielleicht zu Recht - ekelt), sondern aus handelsüblichem Sperrholz.

Die Aufgabenstellung sieht vor, die Pappröhren zusammenzuleimen, so daß sie eine ansehnliche Höhe erreichen, und sie mit einem runden Sperrholzbrett zu versehen; dieses müßte zuerst als Laubsägearbeit von den Jugendlichen geschnitten werden; das kann von allen Jugendlichen - in der Regel - ohne weiteres Risiko ausgeführt werden. Die Brettchen werden mit den Trommelkörpern verleimt und abgeschliffen, anschließend gegebenenfalls mit Stoff, Leder oder Farben verziert; es wäre auch denkbar, dies im Rahmen eines künstlerischen Projektes zu tun. Diesbezügliche Erfahrungen haben nämlich gezeigt, daß die Jugendlichen als Endprodukt ihre individuelle Trommel haben möchten.

Das Projekt ist gruppenorientiert und verbindlich, schließt aber Improvisation und freie Gestaltung mit ein. Bau und Spielen eines Instruments stellen Verbindungspunkte her, wo es vorher keine gab - eine innovative Didaktik also. Möglich wäre neben der reinen Percussionschulung auch, Einflüsse aus dem Bereich des Singens und Tanzens aufzugreifen. Geplantes Ziel ist eine kleine Werkschau im Sinne einer Aufführung. Denkbar wäre es - Interesse der Teilnehmenden vorausgesetzt - ein kleines Trommelorchester auf die Beine zu stellen, welches bei diversen Veranstaltungen (Kindergottesdienst, Gemeindefest und dergl.) seine Kunst zum besten gibt und somit Erlerntes spielerisch anwendet und umsetzt. Es steht außer Frage, daß öffentliche Auftritte die Motivation und auch das Selbstbewußtsein der Jugendlichen enorm fördern; die Anforderungen, am Trommelorchester teilnehmen zu können, kommt von innen, die sozialen Sanktionen kommen von außen: jede/r möchte dabeisein !

Das Projekt ist ein Beitrag zur sozialen Integration im Rahmen einer innovativen und kulturellen Didaktik und richtet sich an 10 Jugendliche im Alter ab 12 Jahren.
 

Zur Person des Projektleiters

Jahrgang '57 , Abitur '78, Studium Germanistik und Anglistik bis '88, seitdem freiberufliche Tätigkeit als Sprachlehrer an privaten Schulen und staatlich anerkannten Institutionen , Übersetzungen und Dolmetscherdienste in der Wirtschaft ; zusätzliche Ausbildung zum Yogalehrer (BDY), Studienreisen nach Indien ; Kontakt zur Musikszene im Bereich Percussion: zusätzliche Ausbildung als Percussionist ; seitdem Auftritte mit eigener Combo, selbstorganisierte Trommelgruppen und Rhythmusunterricht ; Mitarbeiter einer Tanz- und Trommelschule ; als außerschulischer Partner für Haupt - und Gesamtschulen tätig seit '96 ; GÖS-Förderprojekte für verhaltensauffällige SchülerInnen ; Trommelbau und Trommelspielprojekte auch im Bereich der Weiterbildung für Erwachsene. Computerschulung (Computer für Kids) und Informatikprojekte (Musik am Computer). Zukünftige Projekte zum Thema Leben und Arbeiten -auch im internationalen Rahmen- werden angestrebt...
 

Tom Haeuser
 

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