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Scharfe Worte und viel Musik –
Eindrücke vom Evangelischen Kirchentag in Köln, 6.-10.6.2007
„Lebendig und kräftig und schärfer“

Mittwoch, 6.6.2007
Die Hinfahrt nach Köln bzw. nach Leverkusen ins Lise-Meitner-Gymnasium sollte ja eigentlich kein Problem sein. Aber der Zug fällt aus. Wir schlagen uns erst einmal von Essen nach Düsseldorf durch, dann kommt der Zug Richtung Leverkusen zu spät und sammelt noch 25 Minuten Verspätung an. Aber das Gymnasium ist komfortabel, ca. 200 Leute sind zu Gast, 18 Duschen warten auf uns, in der nahegelegenen Realschule ist mehr Tumult.
Der öffentliche Nahverkehr in Köln ist kein Highlight, die Poller Wiesen am rechten Rheinufer werden durch Sonderbusse angesteuert, dennoch muß man noch viel laufen.

Im Eröffnungsgottesdienst predigt Präses Nikolaus Schneider aus Düsseldorf (Hebräer 4, 12-13: Lebendig und kräftig und schärfer).
Es geht um das Wort: Gott spricht verständlich zum Menschen , schafft damit eine Verbindung zu ihm.
Schneider erwähnt 3 Dinge:
1. Die Weihnachtsbotschaft: Fürchtet Euch nicht, der Heiland ist geboren. Wir sollen Jesus nachfolgen.
2. Die Osterbotschaft: Jesus lebt. Wir werden durch Liebe und Hoffnung gestärkt.
3. Die Pfingstbotschaft: Mit Hilfe des Heiligen Geistes sollen wir Buße tun, Vergebung erbitten und erlangen.
Nun ja, bei diesem Kirchentag soll man ja etwas schärfer formulieren, also: Selten habe ich eine so schlechte Predigt gehört. Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die ganze Theologie in 10 Minuten. Noch dazu bleibt alles völlig allgemein. Ich hätte mir eine schärfere Wortwahl gewünscht: Was bedeutet das scharfe Wort Gottes für uns heute? Welch eine schlechte Predigt, ich muß es noch einmal sagen. Der Tiefpunkt des Kirchentages gleich am Anfang.
Wer sich die Predigt trotzdem noch im Original antun möchte, hier, bitte sehr:
http://www.kirchentag2007.de/presse/dokumente/dateien/EGD_1_1278.pdf
Anschließend spricht noch der Kirchentagspräsident, Reinhard Höppner, Magdeburg, abgehalfterter Ministerpräsident aus Sachsen-Anhalt. Ihn werden wir in den nächsten Tagen noch öfter zu sehen bekommen.
Aber es geht noch gruseliger: Außenminister Steinmeier, ein Hartz-IV-Befürworter, versucht sich in seiner Rede als Anwalt des Sozialen zu positionieren. Kaum zu fassen! Aber ich bin der einzige weit und breit, der BUH ruft. Bei Ministerpräsident Rüttgers und Kardinal Meißner höre ich zugegebenermaßen nicht mehr zu. Das waren alles ja wohl kaum die versprochenen scharfen Gottesworte.
Immerhin singen die Wise Guys ihr selbst komponiertes Mottolied des Kirchentages.
Hier kann man sich das Lied anhören:
http://www.kirchentag2007.de/media/1_Lebendig_und_kraeftig_und_schaerfer.mp3
Und es gibt sogar einen Remix davon:
http://www.kirchentag2007.de/media/wiseguysremix.mp3
Text und Noten sollten aber auch nicht fehlen:
http://www.kirchentag.net/fileadmin/Bilder/Die_Veranstaltung/service/Downloads/Musik_Toene/WiseGuys_Lebendig_kraeftig_schaerfer.pdf

Der Rückweg ist dann erneut keine Nahverkehrsglanzleistung. Man kommt kaum durch, es fahren nicht genügend Busse und Bahnen, also laufen wir und laufen den ganzen Abend der Begegnung lang.
Am Ende des Abends versuchen wir vergeblich, Kerzen anzuzünden. Vielen Menschen gelingt es aber, und auch die Deutzer Brücke kann man mit etwas Wohlwollen als erleuchteten Fisch erkennen. Aber ich habe schon bessere Lichtspiele gesehen.

Donnerstag, 7.6.2007
Um 6 Uhr werden wir geweckt, warum? Das ist selbst für die Bibelarbeit auf dem Messegelände zu früh.
Matthäus 4, 1-11: Die Versuchung Jesu in der Wüste durch den Teufel.
Es spricht Kathy Galloway, Pfarrerin, Leiterin der Iona Community, Glasgow, GB.
Sie spricht schönes Englisch mit leichtem schottischen Akzent.
Sie erläutert den historischen Hintergrund des Wüstenmotivs – a Jewish historical framework – Das Volk Israel in der Wüste. Jesus als der Messias, von Mose angekündigt: spiritual principles, the promised land. Dieses Land wurde einem geknechteten Kolonialvolk versprochen – a colonized and militarized people. Das einfache Volk hungerte und litt unter Krankheiten und lechzte nach dem Messias. Die Wüste wird von bösen Geistern bewohnt – the domain of the evil spirits. Die Versuchung Jesu in der Wüste hätte auch ein Filmszenario abgeben können.
Am Ende der Fastenzeit ist Jesus körperlich geschwächt, das ist der Augenblick, in dem die Versuchung kommt. Die Verwandlung von Steinen in Brot (turning stones into bread) ist da eine naheliegende Versuchung. Aber Jesus entzieht sich nicht der Solidarität mit den hungrigen Armen (He does not separate his situation from the condition of the hungry poor).
Nach der Auslegung jeden grundlegenden Aspekts wird die Bibelarbeit von gemeinsamem Gesang unterbrochen:
„We will take what you offer
we will live by your word
we will love one another
and be lead by you Lord.”
Dann wird darauf hingewiesen, daß Jesus jeglichen Wunderglauben zurückweist – Jesus rejects everything that counts on miracle. Dies bedeutet für uns eine Abgrenzung gegenüber christlich-fundamentalistischer Literatur und Wirtschaftsgurus.
Wir sollen darüber nachdenken, was es bedeutet, Gott Gott sein zu lassen – What does it mean to you to let God be God? Dafür wird uns eine Zeit der Stille gegeben.
Dann geht es um die 3. Versuchung, um das Angebot absoluter Macht, die absolut korrumpiert – absolute power corrupts absolutely. Galloway prangert die Politik an, die meint, das Ziel rechtfertige die Mittel, und erwähnt das Gefangenenlager in Guantanamo Bay und die Golfkriege. – it is an abuse of power above all. Jesus widerstand der Versuchung der Macht – he resisted the temptation.
Dann wieder stille Reflexion und Gesang.
Erneut greift Galloway das Wüstenmotiv auf und bezieht es auf Millionen von Flüchtlingen und Asylsuchenden heute – to be in the wilderness is still not an easy experience.
Am Ende geht sie auf die Erlösung Jesu durch Engel ein – transformation comes accompanied by angels. Die Welt ist doch keine Wüste.
Eine beeindruckende Auslegung, die den historischen und aktuellen politischen Bezug gleichermaßen deutlich macht.

Dann geht es weiter zum Markt der Möglichkeiten; am Stand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sammle ich viele pädagogische Materialien ein, bekomme dafür einen GEW-Rucksack und führe eine Diskussion über die Ganztagsgrundschule.
Am SPD-Stand lasse ich mich in eine sinnlose Diskussion über Hartz IV verwickeln. Viele SPD-Funktionäre haben wohl immer noch nicht verstanden, warum ihnen die Wähler weglaufen.
Den Kontrast zur Hartz-IV-Bejubelung gibt es im Jugendbereich am Tanzbrunnen. Hier prangert die Spiel- und Theaterwerkstatt Villigst mit der unvergleichlichen Nicole Olbrich in Form des Straßentheaters das Schicksal der Alten und die ungleiche Verteilung des Reichtums in Deutschland an. Außerdem sehen wir Arbeitnehmer, die für Billiglöhne in der ganzen Welt arbeiten müssen und schließlich einen Wut-O-Maten, mit dem man sich über diese Zustände Luft verschaffen kann.

Der kulturelle Höhepunkt des Abends und wohl auch des ganzen Kirchentages ist das Konzert der Wise Guys am Abend auf den Poller Wiesen vor ca. 70.000 Zuschauern. „Ich bin dein Ohrwurm“ singen die begeisterten Zuschauer noch lange auf dem Nachhauseweg.

Freitag, 8.6.2007
Es klappt ganz gut mit dem frühen Aufstehen, und heute soll es nach dem kulturellen Höhepunkt am Abend vorher zum theologischen gehen.
Bibelarbeit zu Jeremia 23, 16-32: Gegen die falschen Propheten mit Erzbischof und Nobelpreisträger Desmond M. Tutu, Kapstadt, Südafrika. Die Halle 1 ist groß und sehr voll, und auch der unvermeidliche Höppner ist wieder dabei.
Tutu war auch Vorsitzender der Versöhnungskommission in Südafrika, und er dankt für die Unterstützung der Evangelischen Kirche in Deutschland für ihre Unterstützung im Anti-Apartheidkampf. Er geht seine Auslegung launig und humorvoll an. Während er hier ist, wird bei ihm zu Hause eingebrochen, aber das erfahren wir erst später.
Tutu weist auf die Schärfe des Bibeltextes hin – an amazing word of sharp criticism. Er erinnert daran, wie der furchtsame Jeremia überhaupt Prophet geworden ist: Er war zuvor furchtsam und zurückhaltend und wollte nicht von Gott gerufen werden: Please God, don´t call me! Aber so wie wir alle war auch Jeremia ein Teil von Gottes Plan – You are a part of my divine plan. Und daß Erstaunliche ist, daß jemand vorher so Furchtsamer wie Jeremia später so scharfe Worte sprechen konnte. Tutu gestikuliert wild und eindrucksvoll und hebt die Stimme. Seine Stimme ist ebenso ausdrucksstark wie seine Mimik und Gestik. Er spricht frei, und wir können sagen: Wir waren dabei, wir haben diesen großen Prediger gesehen und gehört.
Wer sind nun heutzutage die falschen Propheten? 90% der Menschen in Südafrika behaupten, Christen zu sein, wie konnte es dann aber zur Apartheid kommen? – They went to Church regularly on Sunday, they read the Bible! Sie rechtfertigten ihren Rassismus durch die Bibel! Gott jedoch ist stets der Anwalt der Armen und Hungrigen – he always takes the side of the poor and hungry. An Jesus können wir es sehen: His best friends were prostitutes, he liked wine and he was a friend of sinners – Prostituierte, Wein, Sünder – seine Wegbegleiter und Freunde. Gott ist ein Gott der Unterdrückten und Benachteiligten.
Falsche Propheten waren ebenfalls die Deutschen Christen – the German Christians – die Hitlers Endlösung unterstützten. Auf der anderen Seite gab es die Helden der Bekennenden Kirche – the Professing Church – wie Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer und andere.
Sie waren auch Vorbilder und Ermutigung im Kampf gegen die Apartheid.
Tutus eigene, die anglikanische Kirche, unterstützte Präsident Mugabe in Zimbabwe – I am ashamed! Das Licht in die Dunkelheit bringt dort jedoch Erzbischof Pius Ncube.
In den USA wird als Gottes Wille der Irakkrieg und die Verteufelung des Islam ausgegeben.
Wir Christen sollten als Letzte mit dem Finger auf andere zeigen. Sogenannte Christen sind verantwortlich für den Holocaust und den Ku-Klux-Clan.
So gesehen gibt es „good Muslims and bad Muslims and good Christians and very bad Christians“.
Manchmal hört man ja auch, was Mahatma Gandhi für ein wundervoller Mann war, nur leider kein Christ – “Mahatma Gandhi, you are a wonderful man – what a pity you are not a Christian”. Dasselbe trifft auf den Dalai Lama zu. Daraus leitet Tutu ab, daß Gott kein Christ ist – God is not a Christian.
Wir, die Christen von heute, sagen Nein zu Rassismus und Fremdenhaß auch in Deutschland – You are the ones who say no to racism and xenophobia.
Die Quintessenz von Tutus Auslegung ist die Aufforderung an uns, in der prophetischen und christlichen Tradition eine bessere Welt zu schaffen: „The armless Christ has no arms except yours, no eyes except yours. Go out into the world and make it a gentle and compassionate world, a world of laughter and joy. Make it beautiful for God.”
Wie schon gesagt, wir waren dabei, bei diesem Höhepunkt der Bibelauslegung.

Weiter geht es auf den Markt der Möglichkeiten, zu fair gehandelten Produkten, dann zum Gläsernen Restaurant, welches Spinatsalat mit Linsen, Mandeln und gerösteten Sprossen bietet und dann Kartoffeln, einen Apfel obendrauf, dazu eine Karotte mit Mohn, außerdem gibt es Brot und Wasser. Alles sicher sehr gesund.

Jetzt aber soll es im Paul-Gerhardt-Jahr auch einmal Musik sein.
16 Lieder von Paul Gerhardt (1607-1676), neu vertont von Sebastian Saß. Gerhardt erlebte hautnah die Pest und den 30-Jährigen Krieg (1618-1648), viele seiner Kinder starben. Sein Gottvertrauen in dunkler Zeit blieb jedoch ungebrochen. So wechselt sich in seinen Liedern Trauriges mit der Freude an Gott ab. Dieser Kontrast zwischen großem Leid bei gleichzeitigem tiefen Gottvertrauen wurde von Saß musikalisch gut umgesetzt, und so ergänzte die Musik die Texte Paul Gerhardts hervorragend. Ein wenig überwogen dabei die traurigen Töne, uns natürlich war die Neuvertonung auch gewöhnungsbedürftig, weil man ja stets die vertrauten Melodien im Ohr hat.

Samstag, 9.6.2007
Heute wird es hochwissenschaftlich bei der Bibelarbeit, wieder in Halle 1. Der Text findet sich in der Apostelgeschichte, 16-34.
Zur Auslegung ist erschienen Dr. Dr. Professor Karl Kardinal Lehmann, die weltlichen Titel werden allerdings weggelassen.
Zur Einstimmung wird wieder etwas von Paul Gerhard gesungen, „Die güldene Sonne“, ein am Tage zuvor nicht umkomponiertes Lied.
Lehmann erhält schon vorab viel Applaus, er ist hier offensichtlich sehr beliebt.
Das Thema ist der interreligiöse Dialog. Es geht um die Areopagrede des Paulus, sie ist ein Schlüsseltext. Paulus unterscheidet die verschiedenen „heidnischen“ Religionen genau. Seine Gesprächspartner in Athen sind griechische Philosophen, mit denen er sich bei seinem Aufenthalt in Athen im Rahmen seiner Missionsreisen auseinandersetzt.
Bei diesen Reisen hatte Korinth eine große Bedeutung, dort blieb er zwei Jahre, auch Rom war sehr wichtig, wohingegen Athen höchstens 5000 Einwohner und wirtschaftlich eine nur geringe Bedeutung hatte. Aber es lebte vom Nimbus der Philosophie, und Paulus wählt eine neue und andere Ansprache der Gebildeten.
Paulus betreibt Straßenmission auf dem Marktplatz, und die Areopagrede (der Areopaghügel ist als Synonym für die Wissenschaftsbehörde zu verstehen) ist der schriftstellerische Höhepunkt der Apostelgeschichte und die am meisten kommentierte Rede der Welt.
Hier wird die Tendenz und die Dynamik der missionarische Offensive des Paulus deutlich. Die Inhalte der Rede sind von Lukas angeordnet und zusammengestellt.
Paulus ist jemand, der in der Tradition von Sokrates Menschen auf der Straße anspricht.
Für die Epikuräer ist er ein Schwätzer, der wie eine Saatkrähe fremde Gedanken aufpickt und sie sinnlos durcheinanderwürfelt.
Die Stoiker hingegen erkennen, daß es hier um eine neue religiöse Verkündigung geht. Ihnen geht es in der Tradition von Epiktet und Seneca um Neugier, Kritik und Diskussion zugleich; in erster Linie verspricht man sich allerdings eine amüsante Abwechslung.
Paulus selbst ist hintergründig: Er spricht zugleich die Religiosität, aber auch die Unwissenheit des athenischen Politheismus an. Er schafft eine Verbindung antiker Weisheiten mit dem einen Gott, übt aber auch Kritik: Gott wohnt nicht in Gebäuden, die von Menschenhand errichtet worden sind. Gott ist bedürfnislos, er schafft friedliche Rahmenbedingungen für den Menschen auf seiner Suche nach Gott. Das Finden jedoch bleibt offen und unsicher – der Mensch tappt im Dunkeln herum. Er knüpft an griechische Dichter an und nimmt die griechische / stoische Philosophie als Bundesgenossen in seiner Argumentation. Dann aber ruft er zur Umkehr und zum Umdenken auf. Paulus geht auf die griechische Philosophie ein und vermeidet es, als christlicher Hardliner aufzutreten.
Der Hinweis auf die Toten-Auferweckung kommt dann allerdings nicht gut an.
Seine Predigt ist damit zwar nicht mißlungen, aber das Publikum will seine Botschaft nicht weiter hören.
Aber: Immerhin sind einzelne überzeugt worden. Also wird eine kleine christliche Gemeinde gegründet, u.a. mit Dionysius als bedeutendem Intellektuellen.
Zusammenfassende Auswertung:
Die Apostelgeschichte, insbesondere die Areopagrede, ist das am meisten griechisch orientierte Buch der Bibel. In der Diskussion steht die natürliche Gotteserkenntnis gegen die Offenbarung. Seine Gesprächspartner hält Paulus für unentschuldbar, weil sie Gott zwar erkannt, aber nicht anerkannt haben.
Karl Barth lehnte die natürliche Gotteserkenntnis ab, die katholische Theologie ist da aber mittlerweile offener und hat sich dieser Richtung angenähert. Dem Heidentum wird mehr Gotteserkenntnis zuerkannt, als Paulus dies getan hätte. Die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede.
Die Areopagrede ist insgesamt die vorbereitende Hinführung zu einer eigentlichen Missionsrede. Sie kennzeichnet den Beginn der Zeit der Kirche, die Endzeiterwartung ist bereits gewichen, es geht um eine Konkurrenz der Ideen.
Seine Doktor- und Professorentitel merkt man Lehmann ohne Weiteres an.
Wer die Bibelarbeit in Gänze nachlesen will, findet sie hier:
http://www.kirchentag2007.de/presse/dokumente/dateien/BAB_31_1149.pdf

Anschließend machen wir noch einen Abstecher zum Tanzbrunnen, aber die jugendgerechte Musik ist sehr laut, im Biergarten am Schokoladenmuseum ist es schöner, außerdem steht dort auch die berühmte Würstchenbude, an der sich immer die Tatortkommissare Freddy Schenk und Max Ballauf herumtreiben.

Am Abend genießen wir dann die Nacht der Lieder, wobei ich zunächst Gerhard Schöne mit Reiner Schöne verwechsle, aber es ist ja wirklich Gerhard Schöne, er sieht ganz anders aus und singt auch anderes als Reiner Schöne.
Clemens Bittlinger ist offenbar auch ein Held der religiös orientierten Musik, und sein größter Hit war „Aufstehn, aufeinander zugehn“.
Der Abend wird beschlossen von der One-Hit-Wonder-Gruppe „FoolsGarden“ („Lemon Tree“); diese Band ist hitparadenmäßig zwar eigentlich abgehalftert, aber ihre Musik ist doch recht gut, nicht nur ihr einziger Hit, auch der Rest, und heute wird sie auf jeden Fall noch einmal umjubelt.
Beklatscht wird auch Bundespräsident Köhler, obwohl ich wirklich nicht weiß, was er da eigentlich auf der Bühne zu suchen hatte. Gesungen hat er ja nicht. Ist vielleicht auch besser so.

Wir erfahren an diesem Tag noch, daß es in der Altstadt schöne Restaurants namens Bagdad und Beirut gibt, auch das Restaurant Oscar am Zülpicher Platz mit seiner Halbpreis-Pizza bis 18 Uhr und seinen Halbpreiscocktails ab 17 Uhr ist nicht zu verachten. Und schließlich klingt der Tag am Chlodwigplatz aus, Kölner Südstadt, schönes Kneipenviertel.

Sonntag, 10.6.2007
Wird wirklich heute wieder um 6 Uhr geweckt? War doch gar nicht nötig, denn heute schaffen wir es allemal zum Abschlußgottesdienst, denn die Poller Wiesen sind ja groß genug. Wenn nur der lange Fußweg nicht wäre! Immerhin dürfen wir unser Gepäck in der Schule lassen, und so sind wir rechtzeitig da, Pfarrerin Mechthild Werner, Erfurt, predigt über 1. Könige 19, 1-13a.
Der Gottesdienst ist professionell organisiert, schöne Stimmen hören wir bei Gesang und Lesung, schöne Menschen sehen wir auf der Bühne.
Gott spricht Elia an, und zum Thema „Steh auf und iß“ fallen Werner verhungernde Kinder, Afrika mit seinem extremen Klima und der G8-Gipfel ein, deren Teilnehmer sie scharf kritisiert.
Steh auf und iß, das dürfe man uns dicken Deutschen ja gar nicht sagen...
Und Elia legt sich zum Schlafen, zum Sterben in der Wüste hin.
Und was machen wir?
Wir zeigen immer auf andere, sind nie selbst Schuld. In Wirklichkeit tragen wir selbst die Verantwortung für Treibhausgase und Energieverschwendung. Ebenso wie die deutsche Industrielobby mit ihrer Bleifußphilosophie.
Die globale Zerstörung geht ausgerechnet von den christlich geprägten Ländern aus.
Dies ist ein starker Kontrast zur Schöpfung, die auf dem Spiel steht. Sie muß bewahrt werden. Wir dürfen nicht – wie Elia – immer wieder einschlafen, sondern müssen aufstehen, wegkommen von tödlicher Atomenergie zu erneuerbaren Energien.
G8 = Gebt Acht, gut Acht auf die Welt. Amen. Eine hervorragende, kurze und prägnante Predigt, die wichtige Probleme auf den Punkt bringt. Ein deutlicher Kontrast auch zur Predigt des Eröffnungsgottesdienstes.
Und auch diese Predigt gibt es komplett zum Nachlesen:
http://www.kirchentag2007.de/presse/dokumente/dateien/SGD_5_1749.pdf
Anschließend erfreuen uns die Wise Guys noch einmal mit einigen ihrer Lieder.

So, nun wieder nach Leverkusen, Lise-Meitner-Gymnasium, Lise Meitner hat mit Otto Hahn geforscht und die Kernspaltung entdeckt, Mittagessen in Leverkusen-Mitte, was mehr einem Beton-Einkaufszentrum gleicht, aber jetzt sehen wir es endlich einmal genauer, und dann ab in den wieder einmal verspäteten und völlig überfüllten Regionalzug ohne vernünftige Gepäckfächer.

Der nächste Kirchentag findet vom 20. bis 24. Mai 2009 in Bremen statt.

Ralf Müller


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