zurück zur Startseite der Ev. Jugend Rotthausen

Projekt „Internetcafés der Ev. Jugend

Gelsenkirchen und Wattenscheid“

Konzeption

Zwei Internetcafés für die beiden Stadtbereiche

nBuer /Horst in der Gemeinde Buer-Hassel Lukas

nGelsenkirchen in der Gemeinde Rotthausen

werden von der Evangelischen Jugend eingerichtet.

Diese Cafés werden mit jeweils 5 Rechnern ausgestattet, um einer nennenswerten Zahl von jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit dem Medium zu arbeiten.

Sie werden betreut von jeweils einer hauptamtlichen Kraft und von dazu ausgebildeten Ehrenamtlichen.

Für eine vorherige und eine begleitende Schulung der Haupt- und Ehrenamtlichen wird  in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftspark und der Firma Gelsen-Net gesorgt.

Die Internetcafés sind zu festgelegten Zeiten für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtbereich zugänglich, zu anderen Zeiten für Ehrenamtliche.

Die Cafés sind nach Absprache auch für Gruppen aus den verschiedenen Gemeinden nutzbar.

Eine Nutzung in Zusammenarbeit mit Schulklassen ist ebenfalls möglich.

Darüber hinaus sollen die Standorte auch für Projekte und Publikationen des Jugendpfarramtes offen stehen.

Das Medium Internet, manchmal auch „Datenautobahn“ genannt, wird mehr und mehr zu einem Mittel werden, das helfen kann, verschiedene Ziele, die wir auch mit unserer Kinder- und Jugendarbeit verfolgen, mit zu verwirklichen.

Folgende Aspekte sind hier zu nennen:[1]

1. Information und Bildung: Auf den Webseiten können Informationen verschiedener Art zu allen nur erdenklichen Themen gesucht und gefunden werden. Zeitungen und Zeitschriften können gelesen, Organisationen kontaktiert werden. Im Deutschen Bildungsserver kann man sich über Unterrichtsmaterialien und Projektbeschreibungen informieren. Die vorhandene Informationsflut sollte weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als eine Erweiterung der eigenen Möglichkeiten angesehen werden.[2] Neugier wird geweckt, und die Aufarbeitung der angebotenen Informationen fördert das logische Denken.[3] Dem Internet fehlt zwar die didaktische Aufbereitung,[4] aber genau hier setzt der pädagogische Auftrag an. Die Kinder und Jugendlichen sollen einen "verantwortungsbewussten Umgang mit den im Internet zur Verfügung stehenden Informationen"[5] erlernen.

2. Kommunikation: Das Internet ermöglicht die Kontaktaufnahme zwischen Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen. Interkulturelles Lernen kann gefördert werden; Jugendeinrichtungen können miteinander kommunizieren. Die Teilnahme an „Newsgroups“ und die Einrichtung von elektronischen Briefkästen ermöglicht es, mit Menschen und Organisationen (in aller Welt) Kontakte zu pflegen. Da der Austausch mit Menschen und Gruppen im Ausland in der Regel in Englisch stattfinden wird, werden auch fremdsprachliche Fertigkeiten gefördert.[6] Auch das Anknüpfen sozialer Kontakte ist denkbar.[7] Das Medium wirkt also kommunikationsfördernd, nicht kommunikationshemmend.[8] Im Unterschied zum Fernsehen ist es eher interaktiv als konsumorientiert.[9]

Doering[10] nennt 4 Aspekte computervermittelter Kommunikation: Solitäre Beschäftigung (Net Activity), effektive Selbstdarstellung (Net Identity), den Aufbau sozialer Netze (NetCommunity) und soziale Unterstützung (Net Support). Da es eben immer darauf ankommt, wie Computer und Internet genutzt werden, können sie durchaus zur Kommunikation unter den Menschen beitragen. „Während in der populären Vereinsamungsdebatte der Computer als Einsamkeitsverursacher auftritt, scheinen aus psychologischer Sicht umgekehrt bestimmte Formen interaktiver Computernutzung... gerade besonders gut geeignet, Einsamkeit zu verhindern oder zu lindern.“[11]

3. Kooperation: Wir können gemeinsam mit anderen Gruppen und Institutionen an Projekten arbeiten, sie durchführen und gemeinsam auswerten. Auf lange Sicht wird so auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Jugendeinrichtungen in unserer Region erleichtert. Austausch von Informationen und Materialien ist denkbar. Auch die Erweiterung unserer ökumenischen und internationalen Kontakte streben wir an.

4. Präsentation: Die jungen Leute können eigene Internetseiten gestalten, wir können eine eigene Zeitung der Evangelischen Jugend herausgeben, Informationen weitergeben und eigene Projekte veröffentlichen. Die medienpädagogische Kompetenz der Kinder und Jugendlichen wird gestärkt, indem ihnen vermittelt wird, wie Präsentationen ansprechend zu gestalten sind. Hierzu gibt es inzwischen eine Reihe von Anleitungen, die für einen entsprechenden Kurs zu verwenden sind.[12] Die Evangelische Jugend soll im Internet präsent und ansprechbar sein. Für Außenstehende ergibt sich so eine weitere Kontaktmöglichkeit zur Evangelischen Jugend.[13]

5. Spielerischer Umgang mit dem Medium: Mit dem Internet tun sich unzählige Möglichkeiten interaktiver Spiele auf. Es gibt Spiel- und Bastelanregungen für Kinder; die Phantasie kann gefördert werden. Das deutschsprachige Angebot für Kinder ist zwar z.Z. noch dürftig, wird aber mehr und mehr ausgeweitet werden.[14] Zu nennen sind hier z.B. die Suchmaschine „Die blinde Kuh“ der Hamburger Pädagogin Birgit Bachmann[15] und die Seiten des Ravensburger Verlags.[16]

Ab dem 7. oder 8. Lebensjahr, wenn ihre Fähigkeiten zu lesen und zu schreiben genügend 

ausgeprägt sind, ist die Arbeit mit dem Internet auch für Kinder denkbar.[17] Darüber hinaus 

wird durch den interaktiven Umgang mit dem Internet die Fähigkeit zu schreiben geför-

dert.[18]

Als Medium des sogenannten „Edutainment“[19] verbindet das Internet die Möglichkeiten zu 

Spielen und zu lernen miteinander.

6. Technischer Umgang mit dem Medium: Die einzelnen Jugendlichen und Gruppen haben die Möglichkeit, bei uns den Umgang mit dem Medium Internet zu erlernen und später selbständig damit zu arbeiten. Dies ist unter den Gesichtspunkten der Vermittlung von Fertigkeiten, der Entwicklung von Kreativität und der späteren beruflichen Nutzung zu sehen. Die entsprechende „Medienkompetenz“[20] kann bei uns erworben werden. Die „Notwendigkeit der Vermittlung von grundlegenden Arbeitstechniken mit dem Computer“[21] wird manchmal bereits als „Kulturtechnik“[22] angesehen, die die in der Schule vermittelten Grundtechniken Rechnen, Lesen und Schreiben ergänzt. Es ist davon auszugehen, dass Kinder und Jugendliche, die mit dem Computer umgehen und das Internet nutzen können, später bessere Berufschancen haben werden.[23]

7. Schaffung von Chancengleichheit: Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht die Möglichkeit haben, das Medium zu Hause zu nutzen, erhalten bei uns diese Möglichkeit. Die individuellen Voraussetzungen des Lernens und des Umgangs mit dem Medium werden so gefördert.[24] Dies trägt zur „Demokratisierung der Bildungschancen“ bei.[25] "Freie und kostenlose Zugänge zu Netzen in der Schule und in der Jugendfreizeitarbeit bilden die Voraussetzung dafür, dass alle Kinder und Jugendlichen die Gelegenheit erhalten - frei von kommerziellen Interessen -, die kreativen und kommunikativen Möglichkeiten von Multimedia im Rahmen ihrer Identitätsbildung auszuloten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Umgang mit Multimedia zu einer Frage von Bildung und Geldbeutel wird."[26]

Literatur:

nAufenanger, Stefan: Internetangebote für Kinder. Ein Streifzug durchs WorldWideWeb. In: medien praktisch, Heft 3/97, S. 22-24. Online im Internet – URL: http://www.gep.de/medienpraktisch/amedienp/mp3-97/3-97aufe.htm[Stand 17.2.1998].

nBernuth, Fritz von: Multimedia in der Schule - Planung und Realität. Online im Internet – URL: http://www.cornelsen.de/cgi/WebObjects.e...89300000001313/0.1.0/1/192.166.192.137[Stand 10.3.1998].

nBlümcke, Waltraud / Sonnenschein, Sabine: Bits für Kids. Der kreative Umgang mit den "neuen Medien". In: Handbuch Kulturmanagement. Raaben-Verlag: Stuttgart 1997, K 8.7, S. 1-22.

nDas Projekt „Evangelische Kirche Online“, ein Gemeinschaftsprojekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik e.V. (GEP): Frankfurt 1998. Online im Internet – URL: http://www.gep.de/internet/projekt.html [Stand 17.2.1998].

nDoering, Nicola: Einsam am Computer? Sozialpsychologische Aspekte der Usenet Community. TU Berlin, Institut für Psychologie, FB 11, 1994. Online im Internet – URL: ftp://ftp.uni-stuttgart.de/pub/doc/networks/misc/einsamkeit-und-usenet[Stand 17.2.1998]. Ebenfalls in: Claus Schoenleber (Hg.), 2. Kieler Netztage ´94. Kongressband. Kiel: Verlag Claus Schoenleber

nDreyer, Philipp: „Auflösung von Altersgrenzen“. Ein Gespräch mit GDI-Zukunftsforscher David Bosshart. In: Brückenbauer 25/1996. Online im Internet –URL: http://www.brueckenbauer.ch/BB/INHALT/9625/25gdi2.htm[Stand 17.2.1998].

nGemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik e.V.: World Wide Web Workshop. Frankfurt am Main 1996. Online im Internet – URL: http://www.gep.de (Stand 17.2.1998)

nHediger, Patrick: Internet: Kinder im Visier. In: Brückenbauer 41/1997. Online im Internet – URL: http://www.brueckenbauer.ch/INHALT/9741/41medien.htm[Stand 17.2.1998].

nJanssen, Ludwig / Schnepper-Fries, Horst: Internet und HTML für Lehrer und Schüler. Ein praxisorientierter Leitfaden. Schroedel Verlag: Hannover 1997

nLandwehr, Dominik: Wieviel Multimedia brauchen Kinder? Interview mit Thomas Kirchenkamp von der deutschen Unternehmensgruppe Ravensburger. In: Brückenbauer 25/1996. Online im Internet – URL:http://www.brueckenbauer.ch/BB/INHALT/9625/25expans.htm[Stand 17.2.1998].

n„Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“. Interview mit Stefan Aufenanger, Universität Hamburg. In: TELEVIZION, Zeitschrift des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk, 1/96. Online im Internet: – URL: http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/Inst01/Personal/intervie.htm [Stand 17.2.1998].

nMeeh, Holger: Das Internet in der politischen Bildung. Was hat das Internet mit Schule zu tun? Ernst Klett Verlag GmbH Stuttgart 11./1997. Online im Internet – URL: Downloadpool in http://www.klett.de [Stand 17.2.1998].

nMünz, Stefan: HTML-Dateien selbst erstellen. Das Kompendium für Entwickler von WWW-Seiten. Online im Internet (Version 6.1 vom 15.07.1997) – URL: http://www.netztwelt.com.selfhtml/. Als Buch (Version 6.0): Münz / Nefzger: HTML-Referenz. Franzis-Verlag: Feldkirchen 1996

nScholz, Anke: Neue Technologien in der Schule. Internet und Unterricht. Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien an der Georg-August-Universität Göttingen 1995. Online im Internet – URL: http://www.regio.rhein-ruhr.de/schulen/internet/ins00000.htm[Stand 17.2.1998].

nSJD-Die Falken Herne-Mitte, Jugendzentrum „Gleis 7“: Erstes Konzept des Internetprojektes JZ Gleis 7 Februar 1996. Online im Internet –URL: http://www.castrop-rauxel.netsurf.de/homepages/sjd.die-falken/konzept1.html [Stand 27.2.1998].

nThies, Jean-René: Der HTML Crashkurs. Fachhochschule Stuttgart - Hochschule für Druck 1996. Online im Internet – URL: http://www.fhd-stuttgart.de/asta/html_kurs/ [Stand 9.3.1998].

nZu jung für die Cyberwelt? Interview mit Joachim Kautz, Mitarbeiter von „Futurekids“. IN: Focus Online. Ohne Zeitangabe. Online im Internet –URL: http://www.focus.de/DD/DDG/DDGA/ddga.htm[Stand 17.2.1998].

Konzeption von Ralf Müller

 

[1] vgl. Meeh, der sich ausführlich mit den Punkten 1 und 2, etwas kürzer auch mit den Punkten 3 und 4 befaßt.
[2] vgl. „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 8
[3] vgl. Dreyer, S. 1
[4] vgl. von Bernuth, S. 9
[5] ebenda, S. 7
[6] vgl. von Bernuth, S. 5
[7] vgl. Dreyer, S. 1
[8] vgl. „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 5
[9] vgl. „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 2
[10] S. 2
[11] Doering, S. 11
[12] z.B. Münz, Janssen / Schnepper-Fries, Thies und Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik e.V.
[13] vgl. Das Projekt „Evangelische Kirche Online“
[14] vgl. Aufenanger, der in seinem Artikel auch einen Überblick über deutsche und amerikanische Webseiten für Kinder und Mädchen gibt.
[15] vgl. Hediger, S.1
[16] vgl. Wieviel Multimedia brauchen Kinder?
[17] vgl. Interview: Zu jung für die Cyberwelt?
[18] vgl. „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 7
[19] „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 2
[20] „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 1
[21] Scholz, 1.2, S. 5
[22] ebenda
[23] "Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts sind 84% aller Befragten der Ansicht, dass Kinder, die mit dem Computer umgehen können, später einen besseren Arbeitsplatz finden." (von Bernuth, S. 3)
[24] vgl. „Laß das Kind seine Erfahrungen sammeln“, S. 6 u. 8
[25] SJD-Die Falken, S. 1
[26] Blümcke / Sonnenschein, S. 4

zurück zur Startseite der Ev. Jugend Rotthausen