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Projekt Graffiti
 

1. ProjekthintergrundGraffiti-Aktion in Gahlen am 1.6.2000

In jeder Stadt, so auch in Gelsenkirchen, finden sich an Wänden und Mauern, verteilt über das ganze Stadtgebiet, Graffitis, illegal angefertigt von Sprayern, meist jungen Leuten.

Neben dem mal mehr, mal weniger ausgeprägten künstlerischen Aspekt ist diese Tätigkeit der Jugendlichen mit den Stichworten Erlebnis, Abenteuerlust, Nervenkitzel verbunden, weil sie als Sachbeschädigung und damit als kriminelle Handlung gilt.

Gleichzeitig ist das Sprayen aber auch der Ausdruck des eigenen Lebensgefühls und der eigenen Kreativität.

So ist manchmal auch von der "Zurückeroberung der Stadt" die Rede, und es gibt auch bereits Versuche, diese "Zurückeroberung" in legalen Graffiti-Projekten umzusetzen.
 

Mehr Farbe in die Stadt - Gahlen 1.6.20002. Kennenlernen der Graffiti-Szene in Gelsenkirchen

Die jugendlichen Teilnehmer unseres Projekts sollen in einem ersten Schritt die Graffiti-Szene der Stadt kennenlernen und vorhandene Graffitis ansehen, photographieren, sich über deren Hintergründe informieren und darüber diskutieren.

Hieraus soll zunächst eine kommentierte Photoausstellung erwachsen.
 

3. Eigene kreative Tätigkeit der Projektteilnehmer

In einem weiteren Schritt sollen die Projektteilnehmer unter der fachlichen Anleitung eines Graffiti-Künstlers eigene Graffitis anfertigen.

Hierzu bieten sich Wände und Mauern im Stadtteil an, die von den Besitzern zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt werden bzw. Wände unseres Jugendzentrums, die unter dem Motto "Gestaltung des eigenen Lebensraumes" für Graffitis genutzt werden sollen.

Im Rahmen eines solchen legalen Graffiti-Projektes kann der künstlerische Aspekt mehr in den Vordergrund gerückt werden, da mehr Zeit für die Feinarbeit zur Verfügung steht als bei illegalen nächtlichen Aktionen.

So können farbenprächtige, den Raum öffnende Bilder entstehen, die "die Stadt fröhlicher machen".
 

4. Zielgruppe und Teilnehmerzahl

Wir wollen uns an eine Gruppe von ca. 10 Jugendlichen aus dem Stadtteil richten, die an 2 Wochenenden die Photos macht und die Ausstellung zusammenstellt. für die Erstellung der eigenen Graffitis veranschlagen wir ca. 10 Nachmittage.

Ralf Müller


Sachbericht zum Graffiti Workshop
der Ev. Jugend Rotthausen

Das Projekt wurde, wie in der Ausschreibung veröffentlicht, mit 10 Jugendlichen durchgeführt. Alle diese Jugendlichen waren unterschiedlichen Alters, so daß eine große Altersspanne (von 12 bis 20 Jahren) abgedeckt wurde. Insgesamt wurden an 8 Terminen vom 19.10.-23.11.2000 34 Projektstunden durchgeführt.
Zu Beginn des Projektes wurde eine Definition der Begriffe „Graffiti“ und „Hip Hop“ erarbeitet. Die Teilnehmer beteiligten sich dabei rege, da jeder etwas zu den oben genannten Begriffen wußte. Besonders auf die ursprüngliche und jetzige Bedeutung der Graffitimalerei wurde eingegangen, und so wurde kontrovers über die neue „Graffitiverordnung“ der Stadt diskutiert.
Im Laufe der ersten Workshopstunden wurde ebenfalls auf die Geschichte der Grafftisprüherei und der damit verbundenen Entwicklung von Hip Hop eingegangen. Fachbegriffe wie „Tag“ oder „Piece“ wurden dabei den Jugendlichen erläutert, und so begann man bald schon, erste Name zu „taggen“.
Wie bei späteren Skizzen wurden die unterschiedlichen „Tags“ miteinander verglichen und Verbesserungsvorschläge seitens der Teilnehmer als auch der beiden Leiter wurden angebracht. Ein besonders starker Akzent wurde dabei auf die besondere Weise der „Blockschrift“ gelegt, die  die Basis eines jeden Tags oder Pieces bilden sollte. Anhand von Photos, aber auch unter Medieneinsatz (wie z.B. von Videofilmen) wurde uns verdeutlicht welche Rolle dieser Blockschrift zukommt und welche Ergebnisse ihre Be- als auch ihre Mißachtung hervorbringen kann.
Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch kam der Workshop in Bewegung.  So stand bereits am Anfang eine sogenannte „Stadtrallye“ auf dem Programm. Plätze in der Stadt Gelsenkirchen, wie das Grillo Gymnasium oder die Gertrud-Bäumer-Realschule, wurden besucht und anhand von vorhandenen Graffitis konnte nun den Jugendlichen die Theorie anhand der Praxis verdeutlicht werden. Formen und Schwünge, Farben und Gestaltungsweisen wurden untersucht. Es konnten sowohl Unterschiede als auch Verbindungen unter den jeweiligen „Pieces“ gefunden werden. Ein herausragendes Ereignis war sicherlich der Besuch der Gelsenkirchener Hip Hop Jam.
Besonders spannend waren die ersten Übungseinheiten mit der Sprühdose selbst. An Leinwänden wurden den Teilnehmenden verschiedene Techniken beim „taggen“ und beim Malen eines „Throw Ups“ oder eines „Pieces“ gezeigt. Verschiedene Farben und verschiedene Sprühdosen kamen so zum Einsatz. Den Jugendlichen wurde dabei immer wieder deutlich gemacht, daß dieser Workshop nicht dazu beitragen solle, daß nun noch mehr illegale Graffitis Einzug in die Stadt halten sollten.
Gemeinsam wurde auch an dem Entwurf für das Abschlußbild gearbeitet. Skizzen und eigene zu Hause entworfene Bilder wurden mitgebracht, und so konnte man einen gemeinsamen Konsens finden. Da aber nach der Meinung der Teilnehmer und der Projektleiter Bedenken geäußert wurden, ob man denn schon technisch in der Lage sei, dieses großes Bild zu malen, kam man zu dem Entschluß, zwei weitere Trainingseinheiten einzulegen.
Nach diesen Trainingseinheiten begann man nun die bereitgestellte Wand zu bemalen. Dabei wurden die an der Leinwand erprobten Techniken nun endlich auch einmal an einer richtigen Betonwand angewendet. Am Ende waren alle Beteiligten mehr als zufrieden, ja gar überrascht von der Qualität des gemeinsamen Werkes. So wurde auch die Presse informiert und so das Ergebnis der legalen Graffiti-Sprühaktion der Öffentlichkeit präsentiert. Erstaunlich waren dabei die Reaktionen der Lehrer und Lehrerinnen der Schule. Begeistert wurde uns mitgeteilt, daß man plane, den Rest des Schulpavilliones ebenfalls von einem weiteren Grafftiti-Workshop der Ev. Jugend Rotthausen besprühen zu lassen.

Tim Kirlicks
 

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