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Wir aber predigen nicht uns selbst...

Wir aber predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns erstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2 Kor 4,5.6)

Liebe Leserinnen und Leser!
Die Vorbereitungen für die Weihnachtsgottesdienste laufen auf Hochtouren. Viele sind an ihnen beteiligt und geben ihr Bestes. Denn wir möchten mit dem, was wir für Sie einstudieren und proben an Stücken und Liedern, Ihr Herz erfreuen.
Was kommt an und worauf kommt es an? Die Antwort auf beide Fragen ist nicht unbedingt deckungsgleich. Am Heiligen Abend im Krippenspiel eine Trapezkünstlerin  als Engel durch die Kirche schweben zu lassen, käme z. B. bestimmt gut an. Es wäre die Sensation. Aber mit dem, worauf es ankommt, hätte es rein gar nichts zu tun.
Was kommt an und worauf kommt es an? Manchmal bis zur Verzweiflung eiern wir in der Kirche zwischen diesen beiden Polen hin und her. Warum klafft das überhaupt auseinander? Wenn das, was wir verkünden und verbreiten wollen, das Heil der Welt ist, Licht und Glanz und Freude und Wonne, müsste das nicht wie von selbst ankommen können, ein Selbstläufer sein, durchstarten wie eine Rakete?
Die Fragen sind so alt wie die Kirche. Denn dass ankommt, worauf es ankommt, ist eine Dreiecksgeschichte zwischen dem, der weitergibt, und dem, der empfängt, und Gott, der das Herz öffnet.
Es geht um das Licht, das in Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Wir wollen es so gerne für uns spürbar, sichtbar und erlebbar machen durch den Schein der Kerzen, durch den Stern über dem Altar und die Weihnachtsbäume. Doch diese alle sind nicht mehr als Hinweise, bestenfalls Eselsbrücken zum Licht. In der Krippe selbst leuchtet kein Stern. Da liegt ein Kind. Und im Gesicht des Kindes und später des Menschen Jesus die Herrlichkeit Gottes zu finden und darüber in seinem Herzen froh zu werden, ist ein Wunder. Es ist das Geschenk Gottes für uns, das uns in aller Finsternis und Dunkelheit ein Licht anzünden kann und hoffentlich auch in mein Herz scheint, wenn ich es einmal brauche. Gott in Jesus ist unser Freund und Bruder und uns nah noch in solchen Lebenslagen, wo keiner mehr Gott am Werke vermutet. In Jesus hat Gott uns gezeigt, wie er unseren Lebensweg begleitet, was ihm an der Welt liegt, was der Welt Rettung ist. Wer Gott erkennen und ohne Gefahr von Gott spekulieren will, hat Martin Luther einmal gesagt, der schau in die Krippe, heb unten an und lerne erstlich erkennen der Jungfrau Maria Sohn, geboren zu Bethlehem, so der Mutter im Schoß liegt und säugt oder am Kreuz hängt, danach wird er fein lernen, wer Gott sei.
Feierlichkeit und Rührseligkeit, Zirkus und Theater, Lichterglanz, das kann man in anderen Veranstaltungen oft weit perfekter finden. Die Geschichte Gottes, der in Jesus unser Bruder geworden ist, die wird nur hier gewürdigt, verkündigt, geglaubt und gefeiert mit allen Sinnen, warum nicht, mit dem vollen Leben, mit aller Sehnsucht und aller Klage und aller Freude, und wenn man hat und kann, mit Pauken und Trompeten, mit Tanz und Flötenspiel und vollen Chören, mit Bildern und Spielen und Gedichten. Aber all das, damit Gott ankommen kann, all das, um zu dienen und zu helfen, den zu finden, der in Krippen und Kreuz uns erlöst und es in uns Licht hat werden lassen.
Hundertmal können wir zu Tränen gerührt sein in einem Gottesdienst über schöne Worte oder klare Kinderstimmen. Aber wenn man nur das beweint und darüber nicht zu Tränen findet über sich selbst und seine Sünde, über die Welt oder über den Nächsten, der krank ist, dann führen die Tränen zu nichts. Hundertmal kann man sich freuen über unsere schöne Kirche. Wenn man sie nicht versteht als Ausdruck der Freude über Gott, hat die Freude wenig Tiefe und findet man in ihr keinen Halt.
Die Geschichte Jesu Christi ist es, die hier zu hören und zu sehen ist, voll Schönheit und Wahrheit, voller Ecken und Kanten, scharfzüngig und parteiisch, gütig und barmherzig, voller Tränen und voller Freude, damit wir in dieser Geschichte unsere eigene Geschichte wiederfinden mit ihren Freuden und ihren Tränen, ihrer Wahrheit und ihrer Schuld, und sie getragen sein lassen von dem, was uns in dieser Geschichte Jesu über uns gesagt und verheißen ist. Das zu erkennen, schenke uns Gott zu diesem Weihnachtsfest.

Sonja Timpe-Neuhaus

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