zurück zur Startseite der Ev. Jugend Rotthausen

Das wahre Licht

Nun beginnen sie wieder – die Lichterwochen. Oft schon weit vor dem ersten Advent. Und auch so manche Häuser erstrahlen in diesen Tagen im Glanz unzähliger Lichterketten. Und wohl kein Haus, aus dem nicht Adventslichter leuchten. Niemand kann es übersehen: wir gehen Weihnachten entgegen, dem Fest der Lichter.
In jedem Jahr, gerade dann, wenn die Nächte besonders lang sind und das Tageslicht besonders spärlich – gerade dann zünden wir die Lichter an, um das Dunkel, die Kälte zu bannen. Seit alters her haben wir in dieser Jahreszeit die Sehnsucht nach Licht, nach dem warmen Licht der Kerzen.
Vielleicht hilft uns das Licht der Kerze, tiefer zu sehen. Vielleicht hilft sie uns zu erspüren, tief drinnen in unserem Herzen, daß unser Leben viel mehr ist als das, was unmittelbar vor Augen ist. Mehr als dunkle Erfahrungen, die sich manchmal wie schwarze Schatten auf unsere Seele legen. Vielleicht hilft das Licht der Kerze uns auch zur Gewißheit, daß nichts so dunkel bleiben muß, wie es im Augenblick auch sein mag, hilft, dunkle Wege zu erhellen. Kerzenlicht ist Hoffnungslicht, Hoffnung auf neue, bessere Zukunft.
Wir gehen einer Zukunft entgegen, die immer wieder Neues bereit hält. Das ist Advent! Zeit solcher Erleuchtung. Zeit der Erwartung.
Inmitten der gleißenden Lichterketten durch das Licht hindurchschauen und spüren: Da ist ein Licht, das uns entgegenkommt, das nicht nur unsere Häuser und Städte, sondern unsere Herzen erhellen will. So wie es der Prophet Jesaja seinem Volk vor vielen Jahrhunderten zugerufen hat:
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.
Und über denen, die wohnen im finsteren Lande, scheint es hell!“ (Jesaja 9, 1)
Seit Kindestagen tragen wir in uns eine Sehnsucht nach dem Licht.
Diese Sehnsuchtskraft ist uns Menschen mitgegeben, Sehnsucht nach dem Licht, sie zieht sich durch die Generationen.
Nicht nur in der Erinnerung an die Kindertage, wo wir Angst vor dem Dunkel hatten. Wo es heißt: Mutter, laß ein kleines Licht an, ich habe Angst, wenn es dunkel ist.
Wir Erwachsenen mögen erhaben darüber schmunzeln und lassen gnädig die Tür einen Spalt offen stehen. Als gäbe es nicht auch für uns Erwachsene Situationen, wo wir dankbar wären für einen Lichtblick, und sei es erst am Ende des Tunnels...
Diese Sehnsucht nach Licht ist da. Seit den Zeiten eines Jesaja hat sich daran nichts geändert. Diese Sehnsucht ist da, daß es hell werden möge auf dieser Erde.
Wie hell auch immer die Lichter im Advent und schließlich am Christbaum leuchten mögen: das Licht, das in unser Herz dringt und unsere Nacht wirklich hell machen kann, hat andere Qualität als die Lichterwochen in unseren Städten. Es kommt von dem, an dessen Geburt wir uns in diesen Tagen erneut erinnern. Gottes Herrlichkeit ist in diesem Jesus.
Licht war er für die Menschen, die in seiner Nähe sein durften. Licht war er für die, die er geheilt hat. Licht war er unbedingt für die, die er herausgeholt hat aus ihrem Schattendasein.
Seine Herrlichkeit wurde in seinem Tun, in seinem Handeln sichtbar.
Er sagte nicht nur: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8, 12), er brachte sich selbst als Licht den Menschen.
Zu erleuchten ihren Weg, zu heilen ihre zerbrochenen Herzen. Den Gedemütigten verhalf er zum aufrechten Gang, den Erniedrigten schenkte er neue Würde. Und selbst denen im Schatten des Todes schenkte er Hoffnung auf ein neues Leben.
Das ist ein Licht, nach dem wir uns wohl selbst sehnen mögen. Und wo etwas von diesem Licht in unser Leben fällt als Vergebung, Annahme, Hoffnung, da wird auch etwas von der Herrlichkeit Gottes in unserem Leben erfahrbar.
Wie sehr wünschen wir uns doch gerade für die kommenden Tage: daß auch wir angestrahlt und erleuchtet werden von dem, was uns an Gutem begegnet. An Gutem, das Menschen uns zuwenden, und an Gutem, das Gott uns aufs Neue mitteilen läßt. Daß wir durch die vielen Lichter der Advents- und Weihnachtszeit hindurchschauen und dieses Licht wahrnehmen können.
Wenn wir am Weihnachtsbaum wieder die Kerzen anzünden, können wir an das Licht denken, das Christus in unserem Leben sein will, und ihm entgegenglauben.
Wie dunkel es auch jemals in unserem Leben sein mag: dieses Licht erleuchtet jede Finsternis.

Detlef Brandenburger

zurück zur Startseite der Ev. Jugend Rotthausen