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Das goldene Wort

Der kluge Verwalter

Lukas 16. 1-12 - Einheitsübersetzung

 

„Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch – ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin und schreib „fünfzig". Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib „achtzig“.

Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.

Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?

Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?“

 

War dieser kluge Verwalter nun eigentlich ein Betrüger, ein Gangster, oder war er ein guter Mensch?

Wie kann jemand ein guter Mensch sein, der seinen Chef um seinen Gewinn betrügt?

So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Hat denn der Chef seinen Profit rechtmäßig erworben, oder hat er seine Geschäftspartner mit Verträgen geknebelt und also seinerseits betrogen?

Und hat sein Verwalter eigentlich in seine eigene Tasche gewirtschaftet, oder hat er nur seinen Chef zugunsten seiner Geschäftspartner hintergangen? Ist es denn richtig, dass der Chef immer reicher wird auf Kosten seiner Geschäftspartner?

Letztlich wird in diesem Gleichnis ja auch in Frage gestellt, ob die Höhe der Schulden eigentlich gerechtfertigt ist. Der Verwalter handelt also doppelt klug: Er sorgt für mehr Gerechtigkeit, indem er die Schulden verringert, und er macht sich dadurch gleichzeitig Freunde.

Nun muss man sich fragen, ob auf diese Weise wahre Freundschaft entsteht – das muss sich erst noch erweisen. Dem Verwalter ist klar: Wenn er entlassen wird, wird er auf andere angewiesen sein. Und die Geschäftspartner werden sich dann vielleicht an seine Großzügigkeit erinnern, seine Freunde sein und ihm helfen. Zumindest Solidarität kann er dann erwarten.

Man kann sich jetzt auch noch die Frage stellen, ob das, was Chefs oder diejenigen, die sich dafür halten, gegenüber ihren Angestellten anordnen, immer richtig ist, auch wenn es nur ihren eigenen Profitinteressen dient. Da wäre es vielleicht besser, Güter und Geld wären gerechter verteilt, damit alle etwas davon haben. Man sollte also eher versuchen, Gutes mit dem Geld zu tun, als Macht über andere damit ausüben zu wollen. Auch Chefs sollten eher durch ihre eigenen Leistungen überzeugen als durch die Höhe ihres angesammelten Vermögens und der damit verbundenen Macht.

Wenn die oberen 10% in Deutschland mehr als die Hälfte des Vermögens in unserem Land  besitzen, so kann das ja nicht gerecht sein.

So könnte es in unserem Gleichnis am Ende so aussehen, dass der Chef als der Geldgierige dasteht, der vermeintlich betrügerische Verwalter aber als derjenige, der für gerechten sozialen Ausgleich sorgt und für eine gleichmäßigere Verteilung der Vermögen.

 

Ralf Müller


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