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Das goldene Wort
November 2004

Sonnenstrahlen vertreiben die Streitwolken

Wenn ihr nun zusammenkommt, so hält man da nicht das Abendmahl des Herrn.
Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.
(Erster Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 11, Vers 20-21)

Der Apostel Paulus betreute die überall neu entstandenen christlichen Gemeinden.
Die Prinzipen, die dort gelten sollten, waren Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe und Teilen.
Aber, wie Menschen manchmal sind, schnell waren diese Prinzipien in Vergessenheit geraten.
Die einen, die Reichen, schlugen sich schon einmal den Magen voll und betranken sich gar, während die anderen; die, die arbeiten mußten und die Armen, noch gar nicht zum Mahl erschienen waren. Und wenn sie dann kamen, war nichts zum Essen und Trinken mehr da.
Und die Reichen verstanden gar nicht, was die Armen eigentlich von ihnen wollten.
Darum mußte Paulus eingreifen und die Korinther Gemeinde zur Ordnung rufen.
Denn beim Abendmahl sollte die Gemeinde dem Beispiel Jesu folgen und Brot und Wein teilen. Dies war ein Kernelement der christlichen Gemeinschaft, die durch den Egoismus, der sich Bahn gebrochen hatte, also unmittelbar bedroht war.
Paulus mißt die Christen an ihren Taten, nicht an ihren schönen Worten. Er macht ihnen klar, daß sie die Liebe Gottes an andere weitergeben müssen.
Alle sollen satt werden und keinen Durst mehr haben, egal, ob Arm oder Reich.
In der diesjährigen Kinderbibelwoche haben wir uns unter dem Motto „Echt satt – Geschichten zum Abendmahl“ ebenfalls mit Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Teilen beschäftigt. In christlicher Tradition haben wir gemeinsam Brot und Saft geteilt, in den Arbeitsgruppen aber auch Klebstoff, Papier und Buntstifte.
Manchmal hätte sich die Gemeinde in Korinth sogar ein Beispiel an unseren Kindern nehmen können: Die Kindergartenkinder hatten für das Abschlußfest Muffins für alle gebacken; und nachdem diese verteilt worden waren, herrschte beim Essen einen Augenblick lang ehrfurchtsvolles, fast andächtiges Schweigen. Überhaupt wurde wenig mit dem Essen herumgematscht, es wurde weitergereicht, die Kinder haben an die anderen Kinder gedacht.
Allerdings haben wir auch festgestellt, daß bereits Kindern das Teilen mit anderen häufig doch schwer fällt.
Dunkle Streitwolken verdunkeln dann den sonnigen Himmel, wie wir es mit einer Collage dargestellt haben.
Welche Streitwolken verdunkeln zum Beispiel den Himmel der Kinder?
„Mein Bruder hat die ganze Schokolade allein aufgegessen!“ war da zu hören.
Oder: „Meine Schwester gibt mir nicht die CD zurück, die ich ihr geliehen habe.“ Oder sogar: „Sie leiht mir nicht ihr Haargel.“
Zu hören war auch noch: „Ein anderer Junge will sich immer mit mir kloppen.“ Und: „Mein Bruder weiß immer alles besser.“
So wie Bernd das Brot immer schlechte Laune hat, sorgen solche Streitwolken für schlechte Stimmung bei den Kindern. Aber wie es auch Menschen mit dem Namen Bernd gibt, die gute Stimmung verbreiten, waren auf unserer Collage dann auch wieder Hoffnungsschimmer zu sehen, und zwar in Form von Sonnenstrahlen, die hinter den „Streitwolken“ hervorlugten.
Diese Sonnenstrahlen erinnern die Kinder und uns daran, daß auf einen Streit auch wieder Versöhnung folgen soll; auf den menschlich verständlichen Egoismus die Besinnung auf die Gemeinschaft.
Teilen fällt schwer, das ist nicht nur bei Kindern so, auch Erwachsene denken häufig in erster Linie an sich selbst.
Manchmal kann man sogar im Dschungel beobachten, ob gerade wieder das Streiten oder das Teilen angesagt ist.
In unserem Land werden die Reichen reicher und die Armen ärmer; in anderen Ländern ist es noch schlimmer, und viele Menschen verhungern nach wie vor auf dieser Welt.
„Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt“, das Motto des beliebtesten Liedes der Bibelwoche, sollte auch das Motto für das Handeln aller Menschen auf der Welt sein.
Paulus schickte der Gemeinde in Korinth die Sonnenstrahlen, die ihren Mitgliedern helfen sollten, sich wieder auf das Vorbild Jesu zu besinnen, an die anderen zu denken, zu teilen, den Glauben nicht nur zu predigen, sondern zu leben.
Wir alle, Kinder wie Erwachsene, sollten ebenfalls Ausschau halten nach den Sonnenstrahlen, die sich am zuvor dunklen Himmel zeigen und unsere Streitwolken vertreiben.

Ralf Müller

Bild einer Teilnehmerin aus einer Bibelwochengruppe

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