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Das goldene Wort
November 2003

Jonas Auftrag

Der Wochenspruch unserer Kinderbibelwoche „Jona – Gott findet mich“, steht bei Timotheus im 2. Kapitel, Vers 4:
„Gott will, daß allen Menschen geholfen wird, und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Jona erhält den göttlichen Auftrag, der Stadt Ninive ihren Untergang zu verkünden.
Die schlimmen Zustände in der Stadt Ninive waren offensichtlich völlig unerträglich geworden.
So unerträglich, wie uns manchmal auch die Zustände in unserer Stadt heutzutage erscheinen.
Ninive war ein heißes Pflaster; und Gelsenkirchen ist auch ein heißes Pflaster.
Das macht die Jona-Geschichte ganz aktuell, daß die Zustände in unserer eigenen Stadt genauso schlimm sind wie die Zustände damals in Ninive.
Die deutschen Städte ganz allgemein kommen ihren Aufgaben nicht mehr in genügendem Maße nach, und in Gelsenkirchen sieht es auch ganz böse aus.
Während der Kinderbibelwoche haben die Kinder selbst einige Punkte genannt, die ihnen an unserer Stadt nicht gefallen.
Unter anderem haben sie Folgendes auf die sogenannte Meckerrolle geschrieben:
· Es gibt viel Dreck in der Stadt
· Und viele Obdachlose
· auf den Schulhöfen ist viel Asphalt und wenig Sand
· auf Spielplätzen werden Drogen verkauft
· Scherben liegen auf Spielplätzen herum, Spielgeräte sind kaputt
· die Stadt ist nicht behindertengerecht
· öffentliche Einrichtungen verlangen hohe Eintrittspreise
Es gäbe sicherlich noch viele weitere Mißstände, die sich hier gar nicht alle aufzählen lassen.
Gott hatte genug von den schlimmen Zuständen in der Stadt Ninive; von den schlimmen Zuständen in der Stadt Gelsenkirchen hat er vermutlich auch genug.
Wie aber reagiert Jona, als er den Stadtbewohnern ihre Verfehlungen vor Augen halten soll?
Er macht sich auf und davon, er flieht, er will sich vor seiner Verantwortung drücken.
Dies ist ja erst einmal eine zutiefst menschliche Verhaltensweise.
Wir alle haben uns doch schon einmal vor Dingen gedrückt, die wir eigentlich hätten tun müssen.
Auch Kinder drücken sich oft, das haben sie selbst zugegeben:
· Wenn sie ihr Zimmer aufräumen sollen
· Wenn sie ihre Hausaufgaben machen sollen
· Wenn sie sich um ihre kleineren Geschwister kümmern sollen
· Wenn sie sich um ihre Haustiere kümmern sollen,
dann drücken sie sich oft und sind um Ausreden nicht verlegen.
Aber auch wir Erwachsenen drücken uns natürlich oft; und oft sind es schlimmere Dinge, als die, die Kinder tun.
Wie sieht es denn zum Beispiel mit der Erziehung der Kinder aus; wie mit der notwendigen Hilfe für Kinder in allen ihren Lebenslagen und wie mit ihrer Unterstützung für das, was sie in der Schule leisten müssen?
Aber nicht nur Kinder, Eltern und Jona drücken sich manchmal vor ihren Aufgaben; es ist ja alles noch viel schlimmer.
Auch die, die ja eigentlich uns allen ein Vorbild sein sollten, nämlich Politiker, jammern ja höchstens noch, daß sie kein Geld mehr haben, anstatt ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Daß sie über so wenig Geld verfügen, haben sie mit ihrer verfehlten Steuerpolitik selbst verschuldet; und was wirklich wichtige soziale Aufgaben sind, darüber machen sie sich auch keine Gedanken.
Jona verschwindet im Bauch des Walfischs; Politiker stecken den Kopf in den Sand.
Lesen Sie in der Zeitung nach, wie unverschämt verantwortungslos in Gelsenkirchen-Horst die Ganztagsgrundschule umgesetzt worden ist; wie unverschämt wenig Geld dort auch zur Verfügung steht.
Lesen Sie ebenfalls nach, daß die Landesregierung die Zuschüsse für die offene Kinder- und Jugendarbeit im nächsten Jahr um 50% kürzen will.
Kinder und Jugendliche scheinen eben nichts mehr wert zu sein.
Immerhin hat sich gegen diesen Kahlschlag eine Volksinitiative gebildet; jeder kann im Dezember und Januar mit einer Unterschrift den Landtag dazu zwingen, sich mit diesem Thema zu befassen.

Das verantwortungsvolle Handeln des Einzelnen und die Zustände in der Stadt, das sind zwei Themen, die untrennbar zusammen gehören.
Nur wenn es Menschen gibt, die verantwortungsvoll handeln und sich nicht bei jeder Gelegenheit drücken, kann es auch in der Stadt wieder besser werden.
Jona brauchte sanften Druck, um Gottes Auftrag zu erfüllen, ohne wirklich zu begreifen, worum es ging.
Immerhin haben die Bewohner Ninives begriffen, daß es so nicht weitergehen konnte.
Der Heilswille Gottes konnte alle Schranken durchbrechen; er konnte die Stadt Ninive zur Umkehr bewegen.

So sollten auch wir alle, Kinder und Eltern, Lehrer und Politiker, alle Anstrengungen unternehmen, uns inspirieren lassen, unser Gehirn einschalten, um die gottfeindlichen Zustände, die auch in unserer Stadt an der Tagesordnung sind, zu bekämpfen.
Möge Gott auch uns und allen, die Verantwortung tragen, helfen, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen.

Ralf Müller
 

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