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Das goldene Wort

Buße tun und umkehren

Jona 3, 1-2 (aus der Einheitsübersetzung):

 

„Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona: mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde.“

 

Als diese Aufforderung an Jona erging, war schon einiges vorgefallen.

Die große Stadt Ninive hatte den Ruf einer gottesfeindlichen Stadt erlangt, wobei ich nicht im einzelnen weiß, was die Menschen dort Schlimmes getan hatten.

Was gottesfeindliches Handeln in einer Stadt wie unserer heute bedeutet, kann man sich allerdings umso besser vorstellen: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, es herrscht Mord und Totschlag, Menschen werden von anderen ausgebeutet und verachtet, verfolgt und geschlagen. Straßen und Wege werden zugemüllt. Da muss man nur einmal einen Spaziergang durch Gelsenkirchen machen.

Zeit zur Umkehr also nicht nur damals, sondern heute immer noch.

Gottes erster Aufforderung war Jona nicht nachgekommen, wobei wir darüber spekulieren können, warum nicht. Hatte er Angst vor den Niniviten, hatte er Angst, dass sie ihm etwas antun würden, wenn er ihnen ins Gewissen redete? Oder ging er davon aus, dass Gott am Ende doch wieder gnädig sein würde, statt die Einwohner seinem Strafgericht preiszugeben, nachdem Jona ihnen gedroht hatte? Dann hätte Jona in der Öffentlichkeit vielleicht ganz schön dumm dagestanden, und das mag ja wirklich niemand.

Es war dann ja auch wirklich so, dass Jona die Niniviten vor der Zerstörung ihrer Stadt warnte, zu der es aber letztlich tatsächlich nicht kam.

Denn für ihn ganz überraschend und eigentlich sogar zu seinem Ärger, zeigten sie plötzlich gottgefälliges Verhalten, taten Buße, bereuten ihre Missetaten und wollten in Zukunft ein besseres Leben führen.

Jona selbst schoss übers Ziel hinaus und wollte den Einwohnern keine Chance mehr geben. Vielleicht konnte er sich auch gar nicht vorstellen, dass sie sich jemals bessern würden.

Wir selbst können uns ja auch manchmal gar nicht vorstellen, dass sich die Zustände in unserer Stadt wieder bessern können.

Wahrscheinlich hatte Jona schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass Gnade vor Recht erging.

Schließlich ist es Gott selbst, der Jona eindringlich ermahnen muss, gnädig mit den Niniviten zu sein.

Was bedeutet das nun wiederum für uns?

Viele sehen in Gelsenkirchen nicht nur eine arme, sondern eine ganz und gar schlimme und verdorbene Stadt. Nichts wie weg, sagen sich manche und ziehen in andere Städte oder ins grüne Umland.

Im Kleinen haben wir in einer Kinderbibelwoche über Jona versucht, den Kindern nahezubringen, wie man in einer Stadt zurechtkommt, wir haben ihnen das Stadtleben mit seinen arbeitsamen aber auch freizeitorientierten Seiten gezeigt. So wie in unserer Kinderstadt möchte man es sich durchaus auch in unserer echten Stadt vorstellen.

Sicher gibt es viel Schlechtes, das man sich nicht einfach wegdenken kann, aber gerade wir als Christen müssen doch immer wieder versuchen, dem Schlechten das gute Beispiel entgegenzusetzen. Dies gilt für unseren Umgang miteinander, und das gilt natürlich auch für unser Verhältnis zu anderen Menschen, auch wenn sie keine Christen sind.

Ich denke, das kann gut gelingen. Der Anteil an Christenmenschen beträgt z.B. in Rotthausen immer noch über 29%, also über 4000 Menschen, und das ist nicht wenig.

Ralf Müller