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Das goldene Wort

Oktober 2014

Die Welt mit den Augen der Kinder sehen

Markus 10, 13-16:
13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
15 Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“
16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Auch zu uns werden Kinder gebracht, und zwar zur Kinderbibelwoche, zu Kindergruppen, zu Projekten, zu Freizeiten, zu Festen. Wir weisen sie nicht ab, sondern nehmen sie in der Tradition Jesu an, und manchmal versuchen wir sogar hoffentlich, die Welt aus dem Blickwinkel, aus den Augen der Kinder zu sehen.
Jesus hat die Kinder zu sich gerufen, und so rufen wir sie auch, laden sie ein, kümmern uns um sie, versuchen, ihre Ängste und Nöte, ihre Interessen und Vorlieben ernst zu nehmen.
Am ersten Tag unserer diesjährigen Bibelwoche ging es um die Geschichte „Das kleine Ich bin ich“ – Das kleine Ich wusste nicht so genau, wer es war, es war sozusagen auf der Suche nach sich selbst. Kinder müssen sich selbst, müssen ihren Weg noch finden – sollten aber von Anfang an lernen, dass sie etwas ganz Besonderes sind – so wie jedes Tier, wie jeder Mensch, wie jedes andere Kind. Und wie das kleine Ich. Die individuelle Note eines jeden muss sich allerdings in einen gemeinschaftlichen Rahmen einfügen, denn der einzelne Mensch ist ja nicht allein auf der Welt. Man muss andere akzeptieren so wie sie sind – im Rahmen gemeinsam festgelegter Spielregeln. Solche Regeln haben sich unsere Kinder auch gegeben: Nicht hauen, kratzen, beißen, treten.
Ein Kind sagte sogar: Nicht töten, und wir haben spontan gesagt, ach, das versteht sich ja von selbst. Aber bei genauerem Nachdenken versteht sich das leider gar nicht von selbst, weil tatsächlich jedes Jahr Kinder verschwinden, nie mehr wiedergefunden und sogar umgebracht werden.
Kindeswohlgefährdung ist zum Beispiel ein Thema, das uns in unserer kirchlichen Arbeit regelmäßig begleitet. Kinder werden gequält und misshandelt, und wir müssen ein waches Auge auf entsprechende Verdachtsmomente haben. Wir sollten – ich sage es noch einmal – versuchen, die Probleme aus dem Blickwinkel der Kinder zu sehen.
Oder denken wir an die vielen Kriege auf der Welt, in denen immer wieder auch Kinder die Leidtragenden sind, umgebracht werden, oder gar als Kindersoldaten andere Menschen umbringen.
Kinder sind unsere Zukunft, sie sind die Zukunft unserer Gemeinde, Rotthausens, Gelsenkirchens, unserer Gesellschaft und der ganzen Welt  und müssen daher von Anfang an soziales Verhalten erlernen, und wir Erwachsenen müssen ihnen dabei Vorbilder sein.
Das Leben von Kindern ist nicht immer leicht, sie müssen von Anfang an mit vielen Problemen klarkommen, im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine kommen, immer wieder.
Diese Fähigkeit wird durch die Stehaufmännchen symbolisiert, die wir in der Kinderbibelwoche gebastelt haben. Sie fallen um, aber sie richten sich auch wieder auf, manche besser, manche schlechter, manche schaffen es allein, andere brauchen dazu unsere Hilfe.
Im Grund sind wir alle Stehaufmännchen, die sich – hoffentlich – immer wieder aufrichten, allein oder mit der Hilfe anderer.
Und dann immer wieder aufstehn, immer wieder sagen es geht doch! hieß ein musikalischer Hit der Band Herne 3. Mehr Hits hatte diese Gruppe auch nicht, aber allein durch den einen hat sich dieses christliche Motto noch einmal besser eingeprägt, so wie auch Jesus uns immer wieder Mut macht, uns und den Kindern.
Das Stehaufmännchen bleibt normalerweise nicht allein, sondern wird stark erst mit anderen zusammen – das Kind in der Gruppe kann von Erwachsenen, aber auch von anderen Kindern lernen. Darum haben wir außer dem Stehaufmännchen noch eine Menschenkette gebastelt – das Stehaufmännchen findet erst in der Gruppe einen festen Halt, einen festen Stand.
Einen festen Halt fand auch Petrus auf dem schwankenden Schiff, und obwohl er in großer Seenot war, fand er diesen Halt in Jesus. Das ist bei Erwachsenen wie bei Kindern so: Manchmal schwankt der Boden unter den Füßen wie auf einem Schiff bei hohem Seegang, und dann ist es gut zu wissen, dass man sich an Jesus wenden kann.
Jesus segnet dir Kinder, er spricht ihnen Gottes Segen zu, das ist genau das, was gleich noch in der anstehenden Taufe geschehen wird.
Im Auftrag Jesus wird Kindern Gottes Segen zugesprochen.
Sie gehören zu Gottes Reich, in Gottes Welt, und sie sollen ihrerseits ein Segen für die Erde werden. Wir freuen uns auf eine segensreiche Taufe.
Im Pedalo-Katalog 2015, S. 46 – Pedalo, die Firma, die Bewegungsgeräte herstellt – habe ich den Satz gefunden: Lasst uns den Kindern Flügel geben, damit sie den Horizont berühren können.
Genau, möchte ich hinzufügen, dann sind sie Gott nah.
Jesus ließ die Kinder zu sich kommen – Wir sollten ebenfalls Räume und Gelegenheiten schaffen, Kinder willkommen zu heißen, hier im Jugendheim und überall, wo es möglich ist.
Dabei hat jedes Kind ein Recht auf ein eigenes Leben, auf eine individuelle Entwicklung, und allein schon die Bastelarbeiten der Kinder sehen ja nicht alle gleich, sondern phantasievoll unterschiedlich aus – wie die Petrus-Schiffe, die erst schwankten und dann zur Ruhe kamen.

Ralf Müller

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