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Das goldene Wort

Oktober 2009

Menschenkind, wo bist du?

1. Buch Mose (Genesis), 3. Kapitel, Vers 9: „Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?“

Das Thema unserer Kinderbibelwoche und damit auch dieser Text lehnt sich an an das Motto des diesjährigen Kirchentages in Bremen. Auch dort ging es darum, was es heutzutage bedeutet, wenn Gott auf der Suche nach dem Menschen und der Mensch umgekehrt auf der Suche nach Gott ist. Dabei ging es viel um Politik, um Wirtschaft, um Kultur, um internationale Beziehungen, um die großen Dinge, die unsere Gesellschaft und die ganze Welt betreffen.
In den Beispielen meiner Ausführungen beziehe ich mich meistens auf Dinge, die die Kinder in dieser Woche zum Thema gesagt haben.
Im Paradies findet sich das Werk Gottes, hier finden sich seine Spuren.
Gott zeigt sich dem Menschen in der Natur, in der Landschaft mit Wasser, Wiesen, Tieren und Menschen.
Aber auch die Spuren des Menschen finden sich, auch wenn er selbst manchmal gar nicht zu sehen ist.
Das Paradies Erde wird durch den Menschen bedroht, durch Abgase, durch Atomkraft, durch Kriege, in denen die Menschen sich gegenseitig umbringen, statt einander zu helfen.
Umgekehrt gibt es auch hier in Gelsenkirchen Paradiesisches, zum Teil durch den Menschen geschaffen: Den Zoo, den Revierpark, den Mechtenberg und die Himmelstreppe mit Ausblick auf das Ruhrgebiet.
Aber wenn er das Paradies gerade wieder einmal verwüstet hat, versteckt sich der Mensch auch schon mal gern und will vor Gott und damit vor der Verantwortung für sein Handeln flüchten.
Es gibt viele Gründe, sich zu verstecken, manche sind gerechtfertigt, andere nicht.
Menschen verstecken sich,
· wenn sie etwas Böses getan haben
· wenn sie Angst haben
· wenn sie verfolgt werden
· wenn sie einfach nur Verstecken spielen.
Wichtig ist, dass man immer wieder aus seinem Versteck hervorkommt, um sich der Verantwortung für das eigene Handeln oder auch einer unangenehmen Situation zu stellen.
Auch als Kind muss man wieder unter dem Bett hervorkommen, unter dem man sich versteckt hat, weil man den Bruder gehauen und sich dafür geschämt hat. Man muss sich der Situation stellen, und dann geht das Leben weiter.
Der verlorene Sohn ist auch jemand, der flüchtet und sich im Grunde versteckt. Flucht vor der Verantwortung, Flucht vor der Routine des Alltags, Flucht in ein vermeintlich besseres Leben. Das sind große und kleine Fluchten, wie wir sie auch kennen.
Es kommt darauf an, wieder zurückzukehren, dem Versteckspiel ein Ende zu machen, aber natürlich auch darauf, wieder angenommen und akzeptiert zu werden.
Und dann ging es in dieser Woche auch noch um den Lahmen, den behinderten Menschen, der nicht mehr gehen kann – und in der biblischen Geschichte wohl auch nicht mehr will. Er hat Mut und Eigeninitiative verloren, er versteckt und verkriecht sich zu Hause und schaut nur noch die Wand an. Seine Freunde helfen ihm, befreien ihn aus seiner Mutlosigkeit, bringen ihn zu Jesus, der ihn heilt. Im übertragenen Sinne wird ihm Mut gegeben, sein Leben zusammen mit anderen zu gestalten, sich nicht hängenzulassen und unter Leute zu gehen. Heutzutage bieten auch moderne Medien wie Telephon oder Internet die Möglichkeit, Kontakte zu anderen zu pflegen.
Ich komme zum Schluss und zu meinem Fazit:
Adam und Eva verstecken sich und wollen ihrer Verantwortung entfliehen, und so machen es viele Menschen.
Der verlorene Sohn flüchtet aus der Alltagswelt und stellt sich nicht der Realität des Lebens – das passiert sicher auch oft vielen Menschen.
Der Lahme hat den Lebensmut verloren und verkriecht sich lieber, anstatt Pläne für die Zukunft zu machen – auch dies ist eine allgemein menschliche Verhaltensweise.
Gott aber gibt uns nicht auf, er sucht uns, er will uns ermutigen, unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, er ist auf unserer Seite, auch wenn wir etwas Falsches getan haben – im Grunde bietet er uns ein Stück vom Paradies an, und wir sollten dieses Geschenk frohen Herzens annehmen.

Ralf Müller

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