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Das goldene Wort

Oktober 2008

Abenteuerlust und Sicherheitsstreben

Lukas 15, 1-3; 11-24a: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Mit diesem Gleichnis haben wir uns in der Kinderbibelwoche 2008 in erster Linie beschäftigt.
Zuvor ging es allerdings darum, was Gott alles geschaffen hat und wie schön es ist.
Er hat geschaffen:
Die Sonne, die Sterne, den Himmel, die Menschen, dich und mich, uns und euch, und vor allem natürlich, was auch den Kindern sehr wichtig war: die Hasen und die Hunde.
Außerdem: Die Schwarzen und die Weißen, die Blaukarierten und die Buntgescheckten.
Und alles hält er in seiner Hand.
Damit greife ich die Inhalte der Lieder auf, die wir gern und viel gesungen haben.
Wir sehen also: Die Schönheit der Welt, die leider allzu häufig durch den Menschen bedroht ist, ist vor allem auch für Kinder ein wichtiges Thema.
Die Kinder wünschen sich einen direkten Draht zu Gott, wollen zu ihm beten, mit ihm sprechen, ihm danken, ihm ihre Sorgen und Nöte mitteilen.
Sie haben Briefe an Gott geschrieben, und aus diesen Briefen möchte ich einiges zitieren, so dass deutlich wird, was den Kindern wichtig ist:
„Danke, dass wir leben und in den Urlaub fahren können. Und dass du uns zu essen gibst und Wasser zum Trinken und Schwimmen.
Lieber Gott! Ich wünsche mir ein Pony!
Ich wünsche mir, dass ich bald reiten gehen darf. Ich möchte gerne einen Hund, einen Hasen und ein Pferd.
Lieber Gott, hast du denn einen Kuschelbären? Wohnst du in den Wolken?
Du bist der tollste Gott auf der ganzen Welt.
Ich möchte, dass du mich beschützt vor bösen Leuten.
Ich möchte, dass die Bäume und die Blumen stehen bleiben.“
Welche Wünsche hatte wohl der verlorene Sohn? Er wollte weg von zu Hause, er wollte etwas erleben, er wollte sein Erbe haben. Ihm war es wohl zu Hause zu eng und zu langweilig geworden. Er suchte das Abenteuer und das Risiko.
Aber er machte nichts aus seinem Leben in der Fremde. Er suchte sich falsche Freunde, die nur von ihm freigehalten werden wollten, er verprasste sein ganzes Erbe und war bald mit seinem Latein am Ende.
Den Gegenpol zu seinem Verhalten bildet sein Bruder, der daheimblieb, der Geborgenheit und Sicherheit suchte. Er war für seinen Vater immer ein treuer und verlässlicher Helfer.
In der Stunde der größten Not erinnert sich der verlorene Sohn an seinen Vater, denn der scheint nunmehr der Einzige zu sein, der ihm noch helfen kann. Und so kehrte er zu ihm zurück, und sein Vater rechnete nichts auf, sondern er nahm ihn mit offenen Armen wieder auf.
Hiervon war wiederum der andere Sohn nicht begeistert und fühlte sich benachteiligt.
Aber man kann eben nicht die Liebe zu dem einen gegen die Liebe zu dem anderen ausspielen. Man muß auch verzeihen und helfen können und sich freuen, wie der Vater es tat.
Und steckt nicht auch in jedem von uns ein wenig von dem verlorenen Sohn, ein wenig Abenteuerlust und die Neugier auf das Unbekannte? Und natürlich steckt auch eine gehörige Portion Unzuverlässigkeit und Verschwendungssucht in vielen von uns.
Aber auch das Sicherheitsstreben des anderen, des „vernünftigen“ Sohnes ist uns nicht fremd.
Der Kampf, wenn man es so nennen will, den die beiden Söhne gegeneinander austragen, findet häufig in uns, in einer Person statt.
Der liebende Vater versucht, die beiden gegensätzlichen Söhne, die Verhaltensweisen, die nicht so recht zusammen passen zu scheinen, miteinander zu versöhnen. Ob diese Versöhnung gelingt, bleibt in der Geschichte offen. Sicher ist beiden Söhnen die Liebe des Vaters.
Sicher ist uns die Liebe Gottes, was immer wir auch getan haben oder tun. An ihn können wir uns wenden, zu ihm können wir sprechen, zu ihm haben wir sozusagen eine telephonische Standleitung, wie sie die Kinder in der Kinderbibelwoche auch hatten.
Das gibt uns Mut und Zuversicht, auch wenn wir Mist gemacht oder Unrecht getan haben.
Und so bleiben wir als Gottes Söhne und Töchter auch nicht auf Dauer verloren, sondern werden erhört und gerettet.

Ralf Müller

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