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Das goldene Wort

„Ein Backofen voller Liebe“

Der „liebe Gott“ ist uns vertraut aus seligen Kindertagen. Damit soll den Kindern wohl der Glaube an einen Gott lieb gemacht werden, der alles zum Besten regelt. Meist aber dürfte hinter dieser Redeweise eine eher verschwommene Gottesvorstellung und ein diffuser Glaube stecken, der darauf verzichtet, mit Gott wirklich ernst zu machen, und ihn aus dem Weltlauf und auch aus dem persönlichen Ergehen letztlich ausblendet. Denn die so anmutig klingende Rede vom „lieben Gott“ verharmlost Gott nicht nur, sondern traut ihm letztlich auch nichts zu, ja hat ihn längst ins Abseits manövriert, weil er ihn mit unseren Erfahrungen und Erlebnissen nicht mehr in Verbindung bringt.
Zuweilen kann man es beim Spaziergang erleben, dass einem ein mordlustig aussehender Hund entgegenschnellt und dazu aus der Ferne die Stimme eines (dem Hund nicht selten ähnlich sehenden) Herrchens ruft: „Der ist lieb! Der tut nichts!“ Solcher Ruf erlaubt verblüffende Rückschlüsse auf die Rede vom „lieben Gott“. Lieb sein heißt hier nämlich: Der tut nichts. – „Willst du wohl lieb sein“, ermahnt man auch das ungezogene Kind und meint entsprechend, dass es etwas nicht tun soll, etwas unterlassen soll. In dieser Logik wäre, würde Hund, Kind oder Gott „etwas tun“, es aus mit dem Lieb-Sein. Der „liebe Gott“ ist lieb, nicht nur solange er nichts, sondern weil er nichts tut. Solcher Glaube freilich ist ein toter Glaube, der auf Gott letztlich auch gut verzichten kann. Nein, die Rede vom „lieben Gott“ taugt allenfalls zur Beruhigung fürs kindliche Gemüt.
Deshalb redet der 1. Johannesbrief auch nicht vom „lieben Gott“, sondern von der „Liebe Gottes“. „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Die „Liebe Gottes“ ist also wohl zu unterscheiden vom „lieben Gott“. Gott ist nicht lieb, also harmlos, untätig, brav und anständig, aber Gott ist Liebe, also die zwar unsichtbare und geheimnisvolle, aber doch bewegende und verwandelnde Kraft unseres Lebens, die Menschen verbindet und aneinander schmiedet und zu allererst aufleben lässt. So erweist sich Gottes Liebe gerade darin, nicht dass sie der Welt ihren Lauf lässt, sondern sie grundlegend verwandelt, so wie ja überhaupt in der Liebe jeweils das eine Ich aus dem anderen Ich einen neuen Menschen macht.
Luther hat Gott deshalb einmal sehr drastisch einen Backofen voller Liebe genannt. Und er hat dabei wohl daran gedacht, dass man aus einem solchen Backofen anders wieder herauskommt als man hineingekommen ist. Gerade so wie der Backofen beim Bäcker den Teig zum Brot verwandelt, so verwandelt Gottes Liebe den Menschen. Sie macht uns zu allererst genießbar, zu gemeinschaftsfähigen Menschen, zu liebenswerten Geschöpfen, nun auch untereinander zur Liebe fähig.
Denn ‚lieben‘ heißt ja: Vertrauen wagen, Treue üben, Zeit haben für den anderen, ihn achten und schätzen, einander helfen und vergeben, nicht auf dem Ich beharren, sondern das Du sehen, den anderen gelten lassen und zur Geltung bringen, Freude schenken – und das alles gerne und aus freien Stücken. „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“
In der wechselseitigen Liebe der Jünger zeigt sich die Liebe Jesu und die Liebe seines Vaters, wird sie jeweils von neuem aktuell und vor aller Welt erkennbar. Denn in seinem geliebten Sohn hat Gott seine grenzenlose Liebe zu uns Menschen offenbart, eine Liebe, die nicht für sich sein will, die keine Bedingungen stellt, die sich selbstlos für das Wohl des anderen aufopfert.
Wer in dieser Liebe lebt, verliert die Lebens- und auch die Todesangst, weil er Gottes letztes richtendes Wort über sein Leben nicht mehr zu fürchten braucht. Denn am Kreuz Jesu Christi ist alles gesagt, und es behält das letzte Wort, ein Wort der Liebe auch und gerade im Angesicht von Sünde und Tod. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Detlef Brandenburger

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