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Was ist Glück?

„Was ist Glück?“, fragt die Evangelische Kirche von Plakatwänden herab und bietet auch gleich vier Antwortmöglichkeiten.
In den angebotenen Antworten mag man sich wiederfinden oder auch nicht, die Bibel weist jedenfalls noch einmal in eine ganz andere Richtung.
Dort heißt es in Psalm 1: „Glücklich, wer nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen.“
Aber ähnlich den Seligpreisungen Jesu ist längst nicht ausgemacht, ob diese Glücksverheißung des Psalms auch wirklich Anhalt an der Realität hat oder nicht viel eher eine bloße Luftblase ist zur Vertröstung der Zurückgebliebenen und Zu-kurz-Gekommenen. Kommt man denn nicht viel besser durchs Leben, wenn man sich um Gott nicht kümmert, ihn einen guten Mann sein läßt, ansonsten aber auf die eigene Kraft baut und traut und lieber die Götter dieser Welt anbetet? Kommt man nicht viel weiter im Leben, wenn man Gott beiseite schiebt und den Gesetzen des freien Marktes folgt und da mitmacht, wo alle mitmachen? Ist der Rat der Gottlosen wirklich so sehr zu verachten, die uns einreden, alles sei erlaubt um des eigenen Vorteils willen? Und läßt sich auf dem Weg der Sünder nicht herrlich und unbeschwert gehen, ohne Rücksicht auf andere nehmen zu müssen, frei zu tun und zu lassen, was man will? Sind es nicht gerade die Gottlosen, Sünder und Spötter, deren Weg von Erfolg gekrönt ist, die die Früchte ihrer Bemühungen genießen? Daß der Ehrliche der Dumme ist, ist ja nicht nur der Titel eines vielgelesenen Buches, sondern durchaus auch Erfahrungswert, ja so etwas wie die Signatur unserer Gesellschaft.
Ja, Glück und Wohlergehen scheinen doch eher dem verheißen, der sich über Gottes Wort und Gebot frisch-fromm-fröhlich-frei hinwegsetzt und sich in seinem Leben so einrichtet, als wäre er sein eigener Herr, hätte sein Leben selbst in der Hand, könnte es selbst meistern, und als gehörten Gottes Gebote zum alten Eisen, als gälte nur noch das, was den größten Spaß bringt und den eigenen Vorteil maximiert.
Dagegen klingt der Psalm wie aus einer fernen, fremden Welt, denn er weist einen anderen Weg, weg von uns selbst, von unseren selbstgemachten Regeln, den Sachzwängen und den scheinbar ehernen Gesetzen der Marktgesellschaft, hin zum Gesetz des Herrn: „sondern hat Lust am Gesetz des Herrn und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht.“ Welch anderer Ton wird hier angeschlagen! Sich nicht selbst auf die Suche machen, nicht den Einflüsterungen der Werbung und der immer rascher wechselnden Moden folgen müssen, um „in“ zu sein, nicht in Hektik und Betriebsamkeit verfallen, um die eigene Orientierungslosigkeit zu übertünchen, sondern zuhören, nachdenken, Gott eine Rolle spielen lassen in meinem Leben, Weisung annehmen, von sich selbst absehen und auch anderes gelten lassen – „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“
Wie reich, wie beglückend ein Leben mit Gott und darum auch im Einklang mit sich und im Miteinander mit anderen ist, das erschließt sich dem, der Lust hat am Gesetz des Herrn, der in der Bibel Gottes Wort hört, Worte ewigen Lebens. Es lohnt sich, mit ihr umzugehen, mit ihr zu leben. Es tut gut, die Lebensworte als Leitfaden zu nehmen bei dem, was meinen Tag bestimmt; es tut gut, sie zu mir sprechen zu lassen, wenn mir um Trost bange ist.
Dann beginnt die Bibel zu mir zu sprechen; es sind plötzlich keine alten Worte mehr aus einer fernen, längst vergangenen Zeit, sondern ich erkenne, wie aktuell ihre Worte sind, wie lebendig, wie ich selbst in ihnen vorkomme, gemeint und angeredet bin, wie sie mich treffen und angehen und auch mir heute etwas zu sagen haben, ja wie ich mit ihnen leben und dann auch getrost sterben kann.
„Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.“

Detlef Brandenburger

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