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Das goldene Wort

So spricht der Herr

"So spricht der Herr: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums."

Der Spruch klingt unmittelbar einleuchtend und einsichtig; auch wenn wir natürlich Tag für Tag vor Augen geführt bekommen, daß es in unserer Welt genau darum geht: um Klugheit, Macht und Geld. Wie brennend aktuell er ist, zeigt sich, wenn man bedenkt, daß mit den Weisen vor allem die politischen Ratgeber und mit den Starken die Militärs gemeint sind. Und doch zeigen diese Hinweise nicht nur die brennende Aktualität dieses Spruches, sondern mehr noch, wie dringend und notwendig diese Mahnung ist. Kaum ein Tag, an dem uns die fatalen Folgen von Eigenlob und Selbstruhm nicht vor Augen geführt werden; selbst bei offensichtlichem Rechtsbruch fehlt jegliches Unrechtsbewußtsein, rühmen sich die Betroffenen auch noch als "konsequente Aufklärer", verliebt in die Macht und gebunden allein an ihre vermeintliche Ehre.

Dabei hängen Weisheit, Stärke und Reichtum ja im Grunde untereinander zusammen und bedingen sich gegenseitig, sind Variationen ein und desselben Themas, verschiedene Ausdrucksformen des menschlichen Allmachtswahns, der wähnt, alles in der Hand zu haben, ohne Gott auskommen zu können, sein eigener Herr zu sein. Sich seiner Weisheit, seiner Stärke, seines Reichtums zu rühmen, heißt wohl, nur auf seine eigenen Fähigkeiten und sein eigenes Vermögen zu bauen, einzig und allein sich selbst zu vertrauen und so sich selbst zum Nabel der Welt zu machen, klüger sein zu wollen als Gott, der konsequenterweise dann auch nicht mehr gebraucht wird, allenfalls noch als Etikettenschwindel im Namen, um den eigenen Lug und Trug zu verschleiern.

Ruhm und Ehre aufgrund von Weisheit, Stärke und Reichtum gehören folglich dem Menschen, der nichts von Gott wissen will, für den Gott keine Rolle spielt, der sich nur auf sich selbst verläßt.

Dabei verlangt der Prophet nun keineswegs, daß wir unser Licht unter den Scheffel stellen sollen, daß wir uns möglichst klein machen sollen. Nein, wir dürfen uns durchaus loben, selbst rühmen, nun aber nicht unserer eigenen Stärken und Fähigkeiten, unserer eigenen Leistungen und unseres eigenen Vermögens, "sondern wer sich rühmt, rühme sich dessen: Einsicht zu haben und mich zu erkennen, daß ich der Herr bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde; denn daran habe ich Gefallen, spricht der Herr."

Im Wegsehen von sich selbst und im Blick auf Gott besteht also das echte Lob und der wahre Ruhm. Sich der Einsicht zu rühmen, daß Gott in dieser Welt auch ein Wörtchen mitreden will, weil wir seine Geschöpfe sind – sich der Erkenntnis zu rühmen, daß wir aus der Hoffnung leben, daß Gott mit seiner Welt noch nicht am Ende ist und wir von seiner Liebe getragen werden, ist also ein durchaus nicht stinkendes Eigenlob, sondern gereicht geradezu zu Ruhm und Ehre. Ja, wir sollen uns rühmen, wenn’s sein muß auch prahlen, angeben – nun aber freilich mit unserer Gotteserkenntnis, mit der Einsicht, daß Gott mit uns ist, daß Gott eine Rolle spielt in unserem Leben, daß wir Gottes Spuren in dieser Welt erkennen, als Leute also, die sich in Gottes Hand glauben, die von seiner Gnade und Barmherzigkeit leben.

Gewiß, oft mag uns unsere Welt eher Gott-verlassen vorkommen, der angeblichen Weisheit der Politiker, der Stärke der Militärs und der Macht des Geldes ausgeliefert. Doch handelt Gott ja auch nicht vor aller Augen, sondern zumeist entgegen dem Augenschein, eher im Verborgenen und Unscheinbaren. So sind durchaus auch Gottes Spuren in diesem scheinbar gottlosen Weltgeschehen zu erkennen - für den, der sich der Einsicht und der Gotteserkenntnis rühmen darf.

In seinem erwählten Volk Israel und dann noch einmal, sozusagen in konzentrierter Form, in seinem lieben Sohn Jesus Christus, hat Gott sogar unübersehbare Spuren in diesem Weltgeschehen hinterlassen, hat gezeigt, daß es ihm nicht um Weisheit, Stärke und Reichtum geht, sondern daß er Gefallen hat an Gnade, Recht und Gerechtigkeit.

Gnade, Recht und Gerechtigkeit sind freilich etwas gänzlich anderes als das Pochen auf die eigene Weisheit, als das Recht des Stärkeren und die Macht des Geldes. Dem Ruhm von Weisheit, Stärke und Reichtum setzt Gott seinen Ruhm entgegen, dem Gefallen an Gnade, Recht und Gerechtigkeit, um den Törichten, Schwachen und Armen zum Lebensrecht zu verhelfen.

Echtes Lob und wahres Rühmen orientiert sich also an Gottes Wirken – an seiner Gnade, seinem Recht und seiner Gerechtigkeit. Wirkliche Weisheit dient der Nächstenliebe, wirkliche Stärke dem Recht, das jedem Menschen – auch den Armen und Schwachen – zusteht, wirklicher Reichtum der Gerechtigkeit, durch die jeder bekommt, wessen er zum Leben bedarf.

Die Einsicht und Erkenntnis, daß der Herr unser Gott ist und Gefallen hat an Gnade, Recht und Gerechtigkeit, hat dann wohl auch Folgen für unser eigenes Tun und Verhalten. In der Auslegung der Rabbinen heißt es dazu: "Wer die Wege der Weisheit einschlägt, übt Gnade. Die Frucht der Stärke ist das Recht; denn der Starke kann – anders als der Schwache – dem Recht zum Durchbruch verhelfen. Die Frucht des Reichtums ist die Gerechtigkeit, was dem Armen weniger möglich ist." (zit. N. R. Gradwohl) Sich der Erkenntnis Gottes und der Einsicht in sein Wirken zu rühmen, schließt also ein, in der Nachfolge unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus zu wandeln, der nicht auf Weisheit, Stärke und Reichtum gebaut hat, sondern allein auf den Willen seines Vaters. Gerade so hat er zum Lob und Ruhm Gottes gelebt – Hallelluja!

Detlef Brandenburger
 
 

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