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Das goldene Wort

Neujahr 2000 (Millennium)
 
 

Gott spricht:
Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. – Jeremia 29, 13.14
 
 

Nun ist es also da, da neue Jahr. Ja mehr, das neue Jahrhundert. Und noch mehr, das neue Jahrtausend. Ein neues Millennium – wie man auch immer rechnet – die echten und selbsternannten Experten tun, was sie immer tun, sie streiten sich – das Datum, das wir seit einigen Tagen schreiben, beginnt bei der Jahreszahl mit einer 2, davon beißt keine Maus einen Faden ab.

Was ist uns im Vorfeld dieses Jahrtausendwechsels nicht alles vor Augen gemalt worden. Welche Möglichkeiten es mit sich bringt, welchen Segen für die Menschheit, im medizinischen Bereich – wo keiner weiß, wer das bezahlen will und kann, in der Technik – wobei nie klar ist, wieviel Fluch der Fortschritt mit sich bringt – und überhaupt. Unsere Superintendentin hat auf dem Neujahrsempfang des Kirchenkreises festgestellt: "Der Blick und der Gang ins neue Jahrtausend ist für viele mit hohem Pathos besetzt." Jawohl, so ist das auch. Hohes Pathos allüberall in Wort und Bild. Ja, und ich habe mich mehr als einmal gefragt, bei allem, was ich gehört und gelesen habe: Ist das nicht auch hohles Pathos? Woher nehmen diese Leute eigentlich die Zuversicht und den Mut, ein neues, schöneres, glücklicheres Jahrtausend anzusagen, wo doch gerade die letzten hundert Jahre des letzten Jahrtausends einige Tage vergangen sind: Und es war das blutigste der Weltgeschichte. Woher nehmen diese Zukunftsoptimisten ihre Frohgemutheit, habe ich mich oft gefragt? Sie werden doch noch nicht einmal das 1. Jahrhundert dieses neuen Jahrtausends erleben. Und wir doch auch nicht. So ist das doch.

Millenniumswechsel hin und her. Die Fragen, für die mancher offener ist als sonst, am Anfang eines neuen Jahres, sind auch keine anderen, nur weil es zusätzlich auch noch Jahrtausendwende ist. Werde ich heil durch dieses Jahr kommen, und die, an denen ich hänge auch, und wenn nicht, werde ich das tragen und ertragen können? Was hat Sinn, was macht Sinn? Werde ich mich dem Sog in unserem Lande, sich zu Tode zu amüsieren, entziehen können? Werde ich der Verlockung erliegen, mich im Fernsehen seicht unterhalten zu lassen, Tag und Nacht, statt mich mit meinen Nachbarn und Freunden zu unterhalten? Wofür lohnt es sich zu kämpfen, woran soll ich mich orientieren, damit das Leben, meines und das der anderen, lebenswert bleibt und nicht vor die Hunde geht? Und wo bleibe ich, wohin kann ich mich flüchten, wenn das Leben mir über den Kopf wächst? Immer dieselben Fragen am Jahresanfang. Es werden durch den Millenniumswechsel auch keine anderen. Die alten Menschheitsfragen: unsere und auch die unserer Vorväter.

Euch ist heute der Heiland geboren, der Immanuel, der Gott mit uns. Dieses Glück, diesen Glanz, diese Gewissheit haben wir Weihnachten hoffentlich in Umrissen neu geahnt. Vielleicht noch in die Tage nach Weihnachten gerettet. Aber es droht sich zu verflüchtigen. Der Alltag hält wieder Einzug. Oft rauh und belastend. Da herrschen andere Gesetze. Schön hat das der Kabarettist Hans Scheibner auf den Punkt gebracht. Einer von uns hat das neulich auf der Weihnachtsfeier des Ehekreises vorgelesen: "Die Geschäftsleitung hat entschieden: Fräulein S. erhält die Kündigung." "Das war ja vorauszusehen, aber wann? Doch wohl nicht vor dem Fest?" "Natürlich nicht. Wir wollen ihr doch Weihnachten nicht verderben." Oder: "Es geht nicht mehr. Und wenn Oma noch so viel Geschrei macht: Sie muß ins Heim. Man kann sie nicht mehr länger allein lassen." "Da hast du recht K.-H., aber bitte nicht mehr vor dem Fest." "Natürlich nicht. Man ist doch kein Unmensch." Weihnachten hat alles Aufschub. Der Frieden, der angesagt ist, glimmt auf. Die Mandeln sollen auch erst im Januar raus. Sogar der Gerichtsvollzieher fragt zurück: "Muß denn die Pfändung noch vor Weihnachten sein? Das wäre doch grausam." Wenn das Fest erst vorbei ist – dann allerdings wird wieder zugeschlagen. Gnadenlos und ohne Sentimentalitäten. Das ist die beunruhigende Seite des Weihnachtsfriedens. Man weiß nicht, wie weit man ihm trauen darf. Nur als fetter Karpfen oder als Weihnachtsgans ist man in der Beziehung besser dran: Da hat man wenigstens Gewissheit.

Ja, recht hat er, der Herr Kabarettist. Nur muß das so sein? Muß der Frieden vor den Türen Bethlehems sich wirklich verflüchtigen und verdunsten? Warum lassen wir das zu, warum? Warum nehmen wir ihn nicht mit ins neue Jahr, ins neue Jahrhundert, ins neue Jahrtausend? Jedes Jahr ist doch Gottes Jahr und jedes Jahrhundert auch und jedes Jahrtausend sowieso. Und die Jahreslosung ist auch nicht nur für dieses Jahr, sondern für das kommende Jahrhundert und das Millennium sowieso: "Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von Euch finden lassen." Zuerst zu Israel gesagt, seinem Lieblingsvolk, unseren jüdischen Schwestern und Brüdern, in karger Zeit. Das Leben bedroht, die alten Gewissheiten dahin, ein Volk in Angst und voller Zweifel über Gegenwart und Zukunft.

Und jetzt zu uns gesagt, zu allen jedenfalls, die sich mit den vorschnellen Gewissheiten des Lebens nicht abfinden können und wollen und mit dem Tod sowieso nicht. Zu allen, denen manches fraglich ist, ihr eigenes Leben sowieso. "So spricht Gott der Herr: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen." Ja, und wo sollen wir suchen? Haben wir nicht oft genug gesucht, verzweifelt und glücklos? Das mag sein. Aber vielleicht an der falschen Stelle. In der Heiligen Schrift sollen wir suchen und vor der eigenen Haustür. Von den Erfahrungen der Altvorderen wollen wir uns leiten lassen. Da will und wird der allmächtige Gott sich finden lassen. Im Gebetbuch der jüdischen Schwestern und Brüder, z.B. in den Psalmen. Da heißt es: Denn er hat seinen Engel befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest. Das schreiben wir uns, wie unsere jüdischen Schwestern und Brüder, in den Kopf und in die Herzen. Und wir versuchen, diese alten Worte der Länge und Breite nach zu ermessen und werden nicht ans Ende kommen. Nicht alle unsere Fragen werden beantwortet, bei Leibe nicht, nicht alle Probleme werden gelöst. Aber Gewissheit stellt sich ein, die Gewissheit, die die Altvorderen beseelt hat. Hinter unserem oft beschränkten Horizont geht’s weiter. Wir sind behütet, selbst wenn wir es nicht sehen und erkennen können. Wir können sogar gehen, wenn wir kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Gott, der Allmächtige, Sie wissen schon, der, der Himmel und Erde gemacht hat, ist am Ende all unserer Wege und mit uns auf dem Weg. Er meint es unter allen Umständen gut mit uns allen. Alles wird gut. Muß einfach.

Von den Erfahrungen der Altvorderen wollen wir uns leiten lassen, die wie wir in der Rufnähe Gottes leben wollen. "Alles, war ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten", hat der Herr Jesus gesagt. Mehr will Gott wirklich nicht von Euch. Eine schlichte Wahrheit. Mehr als schlicht. Wir wissen genau, was anderen gut tut, weil wir zu allererst sehr genau wissen, was uns gut tut. Eine simple Wahrheit. Lassen wir sie unter uns in Gottes Namen gelten, wird sie das Leben auf der Erde revolutionieren und Gott ist da und hat seine helle Freude.

"Wer nach Hause will, muß sich auf den Weg machen", sagt die LBS. Wie wahr. Das gilt aber gewiss nicht nur für das Häuschen im Grünen oder die Eigentumswohnung. Das gilt auch für uns. Wir will, dass die Erde ihm Heimat wird, der muß sich auf die Suche nach Gott machen. Und Gott wird sich finden lassen. Die Alten haben es erlebt. Wir werden es erleben. Alles wird gut. Millennium hin oder her. Das ist ziemlich egal. Jede Zeit ist Gottes Zeit. NeueWorte, neue Erfahrungen brauchen wir im neuen Millennium nicht. Es muß nicht alles neu sein und werden. Wenn die alten Worte von der Treue Gottes für uns neu lebendig werden, dann ist das satt hinreichend. Gott lässt sich finden. Welch ein Segen.

Ulrich Danielsmeier

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