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Filzflausch

Uralte Handwerkstradition – cooler Trend?!
Textiles Handwerk gibt es vermutlich seit Anbeginn der Zeiten. So belegen archäologische Funde, dass es in der Steinzeit schon Handspindeln gab und Gewichtswebstühle. Das Filzen ist mit ca. 2.500 Jahren (Funde im Altai-Gebirge) noch relativ „jung“. Derzeit erlebt das Handspinnen und Spinnen am Spinnrad eine Renaissance und Filzen ist seit einigen Jahren ein regelrechter Boom. Während das Spinnen traditionell fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wurde, ist das Filzen sowohl von Männern wie von Frauen ausgeübt worden (regional unterschiedlich). Im 21. Jahrhundert spielen Naturtextilien wieder eine große Rolle. Aber woher kommt das Material und wie wird es verarbeitet?
Die geplanten 30 Stunden sind zeitlich umfangreich, so dass es möglich ist, einen umfassenden Einblick in das faszinierende Rohmaterial „Wolle“ zu geben. Mein Fokus liegt auf einem spielerischen Einstieg in das Thema, ich lege jedoch großen Wert auf den didaktischen Aufbau der einzelnen Einheiten.
 

Ablauf
Tag 1: Begrüßung in mittelalterlicher Gewandung und erster Einblick in textiles Arbeiten.
Ratespiel Naturfasern (die beiden GewinnerInnen) dürfen jeweils 9 Kinder auswählen, die in ihrem Team sind.
Taktiles kennen lernen von verschiedenen Naturfasern (Was ist Wolle, was ist Baumwolle, etc.?).
Olfaktorisches kennen lernen von geschorener Wolle (Was riecht denn hier so komisch?).
Werkzeuge zum Arbeiten werden vorgestellt.
Rohwolle wird gewaschen und zum Trocknen ausgelegt.
Zeit für Fragen und zum Wünsche äußern.

Tag 2: Gewaschene Wolle wird in Augenschein genommen.
Rohwolle wird gekämmt.
Vorstellung von verschiedenen Formen der Handspindeln.
Es darf gesponnen werden (den „roten“ Faden).
Zeit für Fragen und zum Wünsche äußern.

Tag 3: Was ist Filz? Vorstellung der Technik.
Zubereiten der Seifenlauge.
Auswählen der Wolle.
Wir filzen eine Traumkugel.
Zeit für Fragen und zum Wünsche äußern.

Tag 4: Filzen mit der Nadel – was ist das und woher kommt das?
Anhänger filzen mit Ausstechförmchen.
Wir filzen ein Tier.
Zeit für Fragen und zum Wünsche äußern.

Tag 5: Nass oder Trocken filzen – je nach Lust und Begabung.
Aufbauend aus den Erfahrungen der vorangegangenen Tage darf jedes Kind einen Schmuck oder Accessoire-Gegenstand filzen (Haarkoralle, Armband, Ring, Schlüsselband, etc.).
Zum Abschluss der ersten Woche: Die Spinnstube – Märchen rund ums Handwerk am Spinnrad.
Reflektion und Wünsche der Kinder/ Vorstellung des Programms der zweiten Woche für die Kinder.

2. Woche: Arbeit an Gruppenprojekt oder Einzelarbeit
Entweder die Kinder arbeiten in 4 Gruppen an einer Arbeit die hinterher zusammengefügt wird (Wandteppich) z.B. 4 Jahreszeiten oder jedes Kind kann eine Tasche filzen.
Wochenabschluss: Präsentation der Arbeiten und Resümée der Kinder

Zum konzeptionellen Hintergrund
Bei einer großen Einheit von 30 Stunden halte ich es für sinnvoll, die Bandbreite von Wolle und Techniken auf Filzen und Spinnen anzulegen, damit es abwechslungsreich für die Kinder bleibt. Sollte dies nicht gewünscht sein, kann das Konzept auch nur auf die Technik des Filzens ausgerichtet werden. Theorie und Praxis wechseln sich ab, wobei der größte Fokus auf eigenen, primären Erfahrungen ausgerichtet bleibt. Ich arbeite zu Beginn ohne Anschauungsmaterial (Bilder oder gefertigte Gegenstände) damit die eigene Kreativität der Kinder nicht beeinflusst wird. Mir ist wichtig, dass jeder seinen Gegenstand selbst fertigt um damit eine größtmögliche Identifikation zu erleben.
Was gefördert wird bei der Tätigkeit: Kreativität, Flexibilität, Motorik (grob und fein), Kommunikation bei der Gruppenarbeit sowie Ausdauer und Geduld.
Für die 2. Woche liegt mein favorisierter Vorschlag in der Erstellung einer Gruppenarbeit, die hinterher in einem Gruppenraum verbleibt. Da in der ersten Woche mehrere Gegenstände in Einzelarbeit hergestellt werden, ist das Arbeiten in einer Gruppe eine Abwechslung, die ein z.T. verändertes Vorgehen erfordert. Da „Teamwork“ heutzutage unabdingbar ist, wird dieses durch die gemeinschaftliche Tätigkeit eingeübt und gefördert. Außerdem ist das Ergebnis zum Schluss ein sichtbares und verbindendes Element, was der Gruppe erhalten bleibt.

Technische Eckdaten
Sämtliches Arbeitsmaterial und Werkzeuge werden von mir gestellt. Folgendes wird benötigt:
- Wasseranschluss
- Möglichst kein Teppichboden (sonst muss dieser mit Malerplane abgedeckt werden)
- Tische die zusammengestellt werden können
- Die Kinder sollten bequeme Kleidung tragen und evtl. Schürzen (falls möglich)
- Eine Fläche auf der die gewaschene Wolle ausgebreitet werden kann
- Steckdose (für Wasserkocher/ heißes Wasser zum Filzen)

Roma Maria Mukherjee

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