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Typisch Deutsch? – nach Rolf Sachs und seiner Ausstellung 2014 im MAKK Köln
 
Siehe auch: Sachs, Rolf (2014): Typisch deutsch? Eine Auseinandersetzung mit Eigenschaften und Klischees. Herausgegeben von Petra Hesse. Köln: Distanz
 
Ort: Ev. Jugendheim Rotthausen, Schonnebecker Str. 25, 45884 Gelsenkirchen
Zielgruppe: 80 Kinder von 6-12 Jahren
Zeitraum: 11.-22.7.2016 in der Regel 10-14 Uhr
Abschlusspräsentation: Fr 22.7.2016 15-17 Uhr
 
Sozialer und schulischer Hintergrund
Gelsenkirchen-Rotthausen war und ist Zuwanderungsgebiet, es gab und gibt ganze Viertel, in denen vorwiegend Zuwanderer wohnen. Wir kooperieren mit den Grund- und Hauptschulen im Stadtteil, die mittlerweile große Kapazitäts- und Raumprobleme haben.
In Zeiten, in denen in Deutschland Flüchtlinge und Zuwanderer offen angefeindet werden, wollen wir ein Zeichen setzen und uns zusammen mit Kindern verschiedener Herkunft mit vermeintlichen oder tatsächlichen deutschen Eigenschaften auseinandersetzen und diese kritisch, zuweilen auch ironisch, hinterfragen, immer mit dem Ziel, hier für ein gutes Miteinander zu sorgen. Dies kann auch Zuwandererkindern helfen zu verstehen, was es bedeutet, hier zu leben.
 
Kultureller Hintergrund und kulturelle Grundlage unseres Angebots
http://www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst/default.aspx?s=1323
http://www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst/default.aspx?s=2225
2014 fand im Museum für angewandte Kunst in Köln die Ausstellung von Rolf Sachs „Typisch Deutsch?“ statt, in der er sich in ironischer Weise mit tatsächlichen oder vermeintlichen deutschen Eigenschaften und Klischees auseinandersetzt.
Auf den Spuren seiner Anregungen wollen wir ein Kulturprojekt mit 6-12-Jährigen Kindern durchführen.
Wir planen das Projekt für 80 Kinder, die wir die meiste Zeit in 4 Gruppen aufteilen werden. In den vergangenen Jahren haben wir Ferienprojekte für 100 Kinder angeboten, aber in unseren Räumen wird es dann sehr eng, die Gruppen sind sehr groß, und die Qualität leidet.
Die Kinder sollen in den Gruppen inspiriert von den vorgegebenen Eigenschaften und den damit verbundenen Assoziationen selbst Kunstwerke herstellen und kleine unterhaltsame Theaterstücke einüben und auf diese Weise zusammen mit anderen Kindern selbst künstlerisch aktiv werden.
Zusätzliche künstlerische Anregungen werden Team und Kinder bei einem Besuch im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg erhalten, wo die Kunstvermittlung einen Vormittag auf den Spuren von Rolf Sachs für uns gestalten wird.
Ebenfalls inspiriert von Sachs´ Begriffen und Eigenschaften in allen 4 Gruppen sollen die Kinder jeweils ein kurzes unterhaltsames Theaterstück erstellen.
Die Kunstwerke sollen am Schluss bei einer Vernissage (im großen Flur des Jugendheim-Eingangsbereichs) ausgestellt und die Stücke vor den Eltern und weiteren Interessierten bei einem Abschlussfest aufgeführt werden. Dadurch wird über die künstlerische Bildung hinaus das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt.
 
Konkrete Umsetzung in den Gruppen
Sachs hat sich in seiner Ausstellung mit insgesamt 23 Eigenschaften auseinandergesetzt, von denen ich 8 ausgewählt habe, so dass sich jede der Gruppen mit 2 der Eigenschaften beschäftigen kann. Mit diesen Eigenschaften lassen sich jeweils positive und negative Assoziationen verbinden. Assoziationen zu den jeweiligen Eigenschaften habe ich unten aufgelistet. Die Liste kann vom Team oder auch von den Kindern noch erweitert werden, ebenso braucht es ja noch Anregungen zur künstlerischen Umsetzung. Zu den jeweils 2 Eigenschaften wird in den Gruppen ein Kunstwerk und ein Stück erarbeitet.
Zum besseren Verständnis füge ich dieser Projektbeschreibung Bilder der betreffenden Sachsschen Exponate hinzu.
 
Amtsschimmel (Stempel)
Bürokratismus, Kleinlichkeit, aber auch: Genauigkeit, Disziplin, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit
Reinhard Mey: Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars
 
Pflichtbewusstsein (Mülltrennung: Schadenfreude, Sturheit, Intoleranz, Neid, Spießigkeit, Pingeligkeit, Bürokratie)
Hält sich jeder an die Ordnung beim Mülltrennen (also im Wortsinn?) Was wandert tatsächlich alles in den Müll? Wandern auch Dinge dort hin, die man noch brauchen  könnte? Was könnte man mit denen machen? Was passiert mit unserem Müll? Wie halten es andere Länder mit ihrem Müll?
Im übertragenen Sinn: Was sind die positiven Aspekte des Pflichtbewusstseins? Vermeidung von Seuchen und Chaos...
 
Der unendliche Geist (Bücherturm)
Denken als individuelle geistige Leistung, Grundidee einer Handlung oder eines Werkes. Im Gegensatz zum Gefühlsleben, zur Seele.
Deutschland als Volk der Dichter und Denker, wobei der Dichter das Gefühlsleben berücksichtigt.
Der hohe Bücherturm spielt auf die Vielzahl und Bedeutung geistiger Leistungen an: Literatur, Geistes- und Naturwissenschaften. Buchdruck und Massenmedien.
Was können wir selbst, was können die Kinder leisten? Welche geistigen, kreativen und kulturellen Leistungen erbringen sie?
 
Geselligkeit (Bierbänke)
Zwanglosigkeit, Biergärten, Menschen kennenlernen, Sommer, schönes Wetter, Freizeitgestaltung, Willkommenskultur, Feiern, Public Viewing, Sommermärchen.
Welche Feste werden in Deutschland gern gefeiert, wie feiern Menschen anderer Kulturen, welche Feste gibt es dort?
Die Kehrseite: ausschweifender Alkoholgenuss, Maßlosigkeit, Stammtischparolen
 
Pünktlichkeit (Uhr, auf die Tausendstelsekunde genau)
Lieber 5 Minuten zu früh als eine Minute zu spät? Unser Tagesablauf ist durch Arbeitszeit, Schule, weitere Termine vorgegeben. Aber: 1/1000 Sekunde – das schafft der Kuckuck in seiner Kuckucksuhr nicht – der hier die Digitaluhr argwöhnisch beobachtet.
Zeit ist Geld, sehr genaue Zeitmessung im Sport, Spitzensport und Breitensport
 
Vorsicht (Schloss, Schlüssel, Sparsamkeit)
Aufmerksamkeit, Besorgnis, Sicherheit, Schaden verhüten, sich in Acht nehmen, aufs Geld aufpassen (in dem Kasten des Kunstwerks liegt gespartes Geld, und der Schlüssel hängt auch drin).
Die Kehrseite: Keine Risikobereitschaft, nichts Neues wird angefangen, das Geld liegt nur herum, statt etwas dafür zu kaufen.
 
Emsigkeit (Bienenstock)
Das Wort geht auf die „Ameise“ zurück, der man ebenso wie der Biene die Emsigkeit zuschreibt, Rastlosigkeit, Eifer, Fleiß. Diese Tiere treten allerdings im Schwarm auf. Ist Emsigkeit im Schwarm, einer Anführerin folgend, immer gut? Wann sollte man jemandem folgen, wann sollte man seinen eigenen individuellen Weg gehen?
Ist höchste Betriebsamkeit, steter Powermodus, dem Menschen zuträglich? Herzinfarktrisiko?
Künstlerische Herangehensweise an das Thema „Hektik“.
Lied von Herman van Veen: „Weg da“
Heinrich Böll: „Es wird etwas geschehen.“
Ameisenlied aus Tabaluga: „Arbeit ist das halbe Leben“
 
Fleiß (Bergwerkszwerg)
Der Bergbauzwerg ist tüchtig, strebsam und unermüdlich, ernsthaft und beharrlich. Es gibt die 7 Zwerge, die alle arbeiten müssen, aber auch die Gartenzwerge, die für eine fragwürdige Idylle stehen und ausgesprochen spießig sind.
 
Roter Faden, Auftakt- und Abschlussmoderation
Am ersten Tag des Projekts findet eine Auftaktveranstaltung für die Kinder statt, die in spielerischer Weise bereits ins Thema einführen soll.
Bei unserer Thematik bietet es sich an, die Veranstaltung in Form einer „Museumsführung“ anzulegen, in der man bereits auf die vermeintlich deutschen Eigenschaften trifft.
Dieser rote Faden wird am letzten Tag bei der Abschlusspräsentation der Exponate und der Aufführungen wieder aufgegriffen. Die „Museumsführer und Kunstfreunde“ werden also auch den Abschluss moderieren.
 
Besuch im Museum
Im Rahmen des Projektes soll an einem Tag ein Besuch im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg stattfinden.
http://www.lehmbruckmuseum.de/?page_id=987
Nach einer thematischen Einführung sollen sich die Kinder dort selbst künstlerisch mit unserer Thematik bzw. mit den Unterthemen der 4 Gruppen beschäftigen und selbst unter pädagogischer Hilfestellung Kunstwerke erstellen. Dabei soll es sich nicht um Kopien der Werke von Rolf Sachs handeln, vielmehr sollen die Kinder eigene Ideen zu den verschiedenen Eigenschaften entwickeln.
Jeweils 2 Gruppen werden hier gleichzeitig an diesem Theorie-Praxis-Programm teilnehmen.
(Di, 19.7.2016, 10:30-12 Uhr und 12-13:30 Uhr).
Die Ergebnisse sollen photographisch dokumentiert werden und ebenfalls am letzten Tag des Projektes ausgestellt werden.
 
Auswertung und Dokumentation
Ausgewertet wird die Veranstaltung im Mitarbeiterteam, dokumentiert wird sie durch Photos und Videoaufnahmen; die Presse wird informiert.
 
Ralf Müller, Diplom-Pädagoge

 

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