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„Irgendwie anders“
Ein interkulturelles Projekt auf der Basis von Kinderliteratur


Ort: Ev. Jugendheim Rotthausen, Schonnebecker Str. 25, 45884 Gelsenkirchen
Zielgruppe: 80 Kinder von 6-12 Jahren, vorwiegend in 4 Gruppen tätig
Zeitraum: 17.-28.7.2017 in der Regel 10-14 Uhr
Abschlusspräsentation: Fr 28.7.2017 15-17 Uhr

Sozialer und schulischer Hintergrund
In Gelsenkirchen-Rotthausen kann man oft Menschen begegnen, die „irgendwie anders“ sind. Das liegt unter anderem daran, dass der Stadtteil immer schon ein Schwerpunkt der Zuwanderung aus vielen Ländern war.
In den letzten Jahren waren es vorwiegend Menschen aus dem Osten der EU, mittlerweile sind Flüchtlinge hinzugekommen.
Dabei geht es darum, das Zusammenleben in der Stadt, im Stadtteil, in den Schulen, mit denen wir kooperieren, und im Jugendzentrum zu organisieren.
Jenseits der Zuwanderung ist natürlich auch sowieso jeder Mensch „irgendwie anders“ als andere Menschen, die einen mehr, die anderen weniger. Es kommt darauf an, dass jeweilige Individuum zu akzeptieren und zu fördern.

Andersartigkeit als Stärke im Dienst der Gruppe
Wenn jemand anders ist als andere, kann es auch passieren, dass er zum Außenseiter wird – obwohl er auf der anderen Seite spezielle Fähigkeiten hat, die andere nicht haben. Es kommt darauf an, diese Fähigkeiten als Stärken zu erkennen und auch für andere in einem Gruppenzusammenhang nutzbar zu machen.
So kann gerade die Vielzahl von jeweils anderen Fähigkeiten ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe entstehen lassen – was auch ein Ziel des Projektes ist.

Zum Thema Kinderliteratur im Allgemeinen
Das Thema Literatur und Lesen wird gerade auch im Hinblick auf Kinder viel diskutiert. Lesen und Schreiben sollen gefördert und zu diesem Zweck die Kinder schon möglichst früh an Literatur herangeführt werden.
Die Kinder sollen für Literatur und fürs Lesen begeistert werden. Leselust und Lesespaß sollen gefördert werden.
Geschichten sollen die Phantasie der Kinder anregen.
Ein Bezug zur Lebenswelt der beteiligten Kinder, aber auch zu „unbekannten Welten“ sollte ebenfalls hergestellt werden.
Literatur soll stets neue interessante Inhalte vermitteln, auch solche anderer Kulturen, und die Kinder neugierig machen, ihnen diese anderen Kulturen und Welten nahebringen, die über ihre bisherigen Erfahrungen hinausgehen und damit (auch in inter-kultureller Hinsicht) ihren Horizont erweitern und Toleranz fördern.
Den Kindern Bekanntes und Unbekanntes sollen zusammenfinden.

Kinderliteratur zum Thema „Irgendwie anders“ – Liste der verwendeten Bücher
Ich habe Kinderbücher gesucht und ausgewählt, anhand derer man das Thema „Irgendwie anders“ behandeln und auf Andersartigkeit und dennoch Akzeptanz abheben kann. „Sie waren verschieden, aber sie vertrugen sich“ (Cave / Riddell). Aus Außenseitern und Andersartigen und natürlich aus Menschen mit bestimmten Fähigkeiten können Helden werden.
Bei der Auswahl wurden der Deutsche Kinderliteraturpreis, der Lesepeter und das Kinder- und Jugendbuchportal des Goethe-Instituts zu Rate gezogen. Dabei wurde darauf geachtet, dass Bücher dabei sind, die für kleinere Kinder geeignet sind, andere für größere Kinder.
Es wären noch weitere Bücher als die 8 hier aufgelisteten in Frage gekommen, aber man muss sich halt in der Auswahl beschränken.
Im Einzelnen geht es um folgende Bücher, die ich auch bereits dem Alter entsprechend den 4 Gruppen zugeordnet habe, beginnend mit Gruppe 1 (den Jüngsten) und endend mit Gruppe 4 (den Ältesten):

Gruppe 1:
·    Arnold, Marliese / Rudolph, Annet (1994 und 1999): Primel. München: Middelhauve für Berlin: Wolfgang Mann
·    Moost, Nele / Kunstreich, Pieter (2015): Wenn die Ziege schwimmen lernt. 12. Auflage. Weinheim u.a.: Beltz & Gelberg

Gruppe 2:
·    Cave, Kathryn / Riddell, Chris (1994): Irgendwie anders. Hamburg: Oetinger
·    Lobe, Mira / Weigel, Susi (2015): Das kleine Ich bin Ich. 41. Auflage. Wien, München: Jungbrunnen

Gruppe 3:
·    Ende, Michael / Kehn, Regina (1992): Der lange Weg nach Santa Cruz. Stuttgart, Wien: Thienemann
·    Heinrich, Finn-Ole / Flygenring, Rán (2012): Frerk, du Zwerg! 5. Auflage. Berlin: Bloomsbury

Gruppe 4:
·    Fährmann, Willi (2003): Isabella Zirkuskind. 2. Auflage. Würzburg: Arena
·    Herden, Antje (2014): Julia und die Stadtteilritter. Berlin: Tulipan

Inhalte der ausgewählten Bücher

·    Arnold, Marliese / Rudolph, Annet (1994 und 1999): Primel. München: Middelhauve für Berlin: Wolfgang Mann
Hase Primel mag seine Zahnlücke nicht, und er wird für sie auch ein bisschen ausgelacht.
Er kann dafür aber andere Dinge, er findet Freunde und Freundin, die auch ungewöhnlich aussehen.
Was können die Kinder alles? Das können sie vorführen. Welche seltsamen Tiere (oder Figuren) können dabei mitmachen, und was können diese? Es können also mehrere Kinder vorführen, was sie alles können.

·    Moost, Nele / Kunstreich, Pieter (2015): Wenn die Ziege schwimmen lernt. 12. Auflage. Weinheim u.a.: Beltz & Gelberg
Jedes Tier kann etwas anderes gut, aber ihre Lehrer verlangen immer Dinge von ihnen, die die jeweiligen Tiere gar nicht können. So kann schließlich kein Tier mehr irgendetwas.
Erst als die Lehrer verschwinden, besinnen sich alle Tiere auf ihre jeweiligen Stärken.
Was kann ich? Was kann ich nicht? Was werde ich nie können? Worin kann ich besser werden? Wobei können mit andere helfen? Wobei kann ich anderen helfen?

·    Cave, Kathryn / Riddell, Chris (1994): Irgendwie anders. Hamburg: Oetinger
Das „Irgendwie anders“ wird von den anderen nicht akzeptiert. Es ist traurig, lernt dann aber das „Etwas“ kennen, das auch irgendwie anders ist. Beide probieren aus, was sie alles zusammen machen können. Und es kommt noch jemand anderes hinzu, und so rücken sie zusammen und machen etwas zu Dritt.
Dazu würde das Lied „Im Land der Blaukarierten (sind alle blaukariert) von Klaus W. Hoffmann passen. Dort finden sich am Schluss alle im Land der Buntgemischten zusammen.
Egal wie anders als andere man ist, kann man mit anderen, die ebenfalls anders sind, Freude haben.

·    Lobe, Mira / Weigel, Susi (2015): Das kleine Ich bin Ich. 41. Auflage. Wien, München: Jungbrunnen
Das Kleine Ich weiß nicht, wer es ist und ist verunsichert. Es vergleicht sich mit allen möglichen Tieren.
Dann aber erkennt es, dass es ICH ist und akzeptiert sich endlich selbst.
Weil es nun auch von anderen akzeptiert wird, wird es fröhlich und selbstbewusst.
Was kann ein jeder? Was können die anderen (Tiere)? Was kann ICH selbst? Und was können wir gemeinsam machen?

·    Ende, Michael / Kehn, Regina (1992): Der lange Weg nach Santa Cruz. Stuttgart, Wien: Thienemann
Hermann fühlt sich von Lehrern und Eltern benachteiligt. Er macht sich auf, um Abenteuer zu erleben.
Am Ende kehrt er krank zurück, dann verstehen seine Eltern ihn endlich und kümmern sich um ihn.
Hermann wird zum „verlorenen Sohn“, weil sich niemand um ihn gekümmert hat. Aber die Erwachsenen sind lernfähig und verstehen am Ende seine Probleme.
Kinder können sich zu dieser Geschichte eigene Abenteuer ausdenken, die sie gern einmal erleben würden und diese in die Geschichte einbauen.

·    Heinrich, Finn-Ole / Flygenring, Rán (2012): Frerk, du Zwerg! 5. Auflage. Berlin: Bloomsbury
Frerk ist klein, aber doch nicht ganz klein.
Er wünscht sich einen großen Hund als freundschaftlichen Beschützer. Aber seine Mutter ist gegen Hunde und viele andere Dinge allergisch und gibt ihm Müsli zu essen, „damit er groß und stark wird.“ Hat ja bisher super geklappt, denkt er sich.
In der Schule drangsaliert ihn Andi Kolumpek.
Dann findet Frerk ein Ei. Aus dem Ei schlüpfen quirlige, durchdrehende Zwerge. Sie rufen „Brät brät“, machen Blödsinn und bringen Frerks Leben durcheinander.
Sie machen ihn unabhängig gegenüber seinen Eltern.
Plötzlich sorgen die Zwerge für vielfaches Hundegebell, und Andi Kolumpek wird Furcht und Schrecken eingejagt.
Endlich hat Frerk, der selbst wie ein mutiger Zwerg geworden ist, keine Angst mehr.
Die Geschichte ist phantasievoll-skurril, und mit Hilfe von fantastischen Freunden kann man Selbstsicherheit gewinnen.
Was macht den Kindern Angst, und welche Aktionen könnten sie selbstbewusster machen?

·    Fährmann, Willi (2003): Isabella Zirkuskind. 2. Auflage. Würzburg: Arena
Isabellas Zirkus gastiert in der Stadt. Da der Zirkus umherzieht, muss sie ständig in eine andere Schule gehen. Ihrem Zirkus geht es finanziell schlecht.
In der Schule freunden sich Philipp und Max mit ihr an.
Um für Einnahmen zu sorgen, wird eine Schulaufführung organisiert.
Isabellas Hund, mit dem sie eine Nummer aufführt, ist krank. Deshalb wird der Hund, der Philipps Opa gehört, als Ersatz angeheuert.
Isabella ist schlecht in der Schule, aber sie beherrscht auf der anderen Seite ja Zirkuskunststücke.
Der Opa bringt ihr bei, richtig zu lesen.
Der Schulrat wird angesprochen, und alle Schulen der Stadt besuchen die Aufführungen.
Leserbriefe werden an den Bürgermeister geschrieben, um dem Zirkus die Platzmiete in Höhe von 1500 € zu erlassen.
Eine Sondervorstellung für alte Leute aus Seniorenheimen wird organisiert.
Das Fernsehen kommt wegen einer Dokumentation. Wegen des Fernsehens stundet der Bürgermeister dem Zirkus die Platzmiete.
Opa tritt schließlich selbst auch im Zirkus auf.
Letztlich wird die Platzmiete sogar erlassen, der Zirkus muss dafür im Gegenzug 40 Freikarten für das Behindertenheim zur Verfügung stellen.
Auch der Tiermist wird sinnvoll entsorgt: Ein Biobauer holt den ganzen Mist ab, Biodünger sorgt für Bioprodukte.
Dann wird sogar noch ein Zirkus-Spielfilm gegen Honorar gedreht.
In der nächsten neuen Stadt ist der Zirkus schon vorab bekannt.
Opa schenkt Isabella seinen Hund, weil ihrer mittlerweile gestorben ist.
Große Solidarität und Hilfe machen aus der potenziellen Außenseiterin Isabella ein Mädchen im Mittelpunkt der Klasse und des Zirkus. Die Schüler und andere Bürger zeigen Zusammenhalt. Jeweils eigene Fähigkeiten werden in den Dienst der Gemeinschaft gestellt.

·    Herden, Antje (2014): Julia und die Stadtteilritter. Berlin: Tulipan
Paul findet Julia cool, aber die hält ihn für einen Angeber.
Im Zusammenhang mit einer Schulprojektwoche gründet sich „The helpful gang – die Stadtteilritter“. Diese Gruppe befasst sich mit Missständen im Stadtteil.
Ein gesprühtes Graffito wird durch eine goldene Umrahmung zu einem gefeierten Kunstwerk.
Die gutbürgerliche Frau, die den Schulgemüsegarten plündert, wird entlarvt.
Ein Spendenaufruf für Kinder in Afrika wird gestartet.
Eine Theatergruppe führt ein Stück gegen Mobbing auf.
Einer alten Frau wird beim Einkaufen geholfen.
Paul und Julia agieren letztlich gemeinsam bei den Stadtteilrittern und tun Gutes im Stadtteil – Nun steht auch Paul mit seinem Handeln im Mittelpunkt.
Was können Kinder in ihrem Stadtteil bewirken?

Beteiligung der Kinder
Die ausgewählten literarischen Werke sollen als Handlungsgrundlage für 4 Abschlussaufführungen der 4 vorgesehenen Untergruppen dienen.
Dabei soll es sich jedoch nur um Anregungen handeln, denn es ist natürlich erstrebenswert, dass die Kinder selbst Ideen zum Ablauf der Handlung beitragen können. Im besten Fall schreiben sie, angeregt durch die Vorlage, ein eigenes Stück. Es ist außerdem sinnvoll, das Stück zum Musical mit Gesang, Trommeln und Tanz zu erweitern, um den einzelnen Kindern Raum für ihre Fähigkeiten und Interessen zu geben und so etwas ganz Neues entstehen zu lassen.

Besuch in der Kinderbibliothek
Geplant ist auch ein Besuch in der Stadtbibliothek / Kinderbibliothek, um den Kindern das dortige Angebot unter Berücksichtigung unserer Thematik nahezubringen. Dort werden weitere Bücher zur Thematik „Außenseiter“ vorgestellt, und zu den von uns verwendeten Büchern wird jeweils für jede Gruppe eine Internetrallye vorbereitet.
Eventuell gibt es auch noch einen Schreibwettbewerb für die Kinder.
http://www.stadtbibliothek-ge.de/Homepage/Bibliotheken/kinderbibliothek.asp?highmain=3&highsub=3&highsubsub=0
Auch die Schulbibliothek der Mechtenbergschule und die Bibliothek unserer Kirchengemeinde und die dort vorhandenen Bücher werden in das Projekt einbezogen. Dort können sich die Kinder genau wie in der Stadtbibliothek regelmäßig Bücher ausleihen.
So kann unser Projekt zusätzlich zu seinen Inhalten die Kinder zum Lesen animieren und an Literatur heranführen.

Roter Faden, Auftakt- und Abschlussmoderation
Auf einer Kinderbuchmesse findet ein „literarisches Kinderbuchquartett“ statt. Die Teilnehmenden stellen die Bücher vor und geben eine kleine Bewertung ab.
Im kulturellen Rahmenprogramm der Kinderbuchmesse findet zum Auftakt ein Spieleprogramm statt, an dem die Protagonisten der verschiedenen Bücher beteiligt sind.
Für das Abschlussfest wird sich jede der vier Gruppen, in die die Kinder nach Alter sortiert eingeteilt werden, mit jeweils 2 Büchern beschäftigen und auf deren Grundlage ein kurzes Theaterstück / Musical erstellen und aufführen. Die Figuren in beiden Büchern können gemeinsam in dem Stück vorkommen, es können aber von den Kindern auch Figuren hinzugefügt oder weggelassen werden. Diese Stücke sollten sowohl lustig als auch lehrreich sein. Die Kinder haben dabei die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und somit die literarischen Vorlagen zu verändern und zu ergänzen, so dass auf der Grundlage angebotener Literatur „Kinderkunst“ entsteht.
Das „literarische Quartett“ wird auch die Abschlussdarbietungen ankündigen.
In der Gruppenarbeit sollen die Chancen und Gefahren der wechselseitigen Andersartigkeit deutlich werden, und es wird herausgearbeitet, dass jeder Mensch mit seinen Stärken und Schwächen wichtig ist, dass alle ihre Fähigkeiten in den Dienst der Gruppe stellen sollten.

Auswertung und Dokumentation
Ausgewertet wird die Veranstaltung im Mitarbeiterteam, dokumentiert wird sie durch Fotos und Videoaufnahmen; die Presse wird informiert.

Ralf Müller, Diplom-Pädagoge



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